Toilettenhaus Projekt
Das Toilettenhaus-Projekt am Camping-Platz vom Kloster Lingshed
Als 1976 die ersten Trekkinggruppen nach Lingshed kamen, stellten die westlichen Touristen ihre Zelte auf einer flachen Ebene an einem Hang gegenüber des Klosters auf. Im Laufe der Jahre wurde diese Stelle zum „offiziellen“ Campingplatz von Lingshed. Ganz in der Nähe befindet sich allerdings auch die Klosterquelle, die die Klosterküche mit frischem Trinkwasser versorgt. Leider kam es fast täglich vor, dass sich Touristen an der Quelle wuschen und Schmutz und Seifenreste das Wasser der Mönche verschmutzte.
1994 brachte ich ein auffälliges gelb gestrichenes Schild mit Aufschrift in fünf Sprachen aus Deutschland mit, auf dem darum gebeten wurde, sich nicht an der Quelle zu waschen. Leider war der Effekt nicht so, wie die Mönche und ich mir dies vorgestellt hatten. Die Ignoranz mancher Touristen war unglaublich! Es fehlte aber auch an Phantasie und Improvisation mancher Trekking-Agenturen, ihren Klienten selbst eine Problemlösung (beispielsweise in Form von transportablen Toilettenzelten) anzubieten. So wurde die Notdurft einfach hinter den wenigen Steinen im Freien verrichtet.
Somit fiel im Herbst 1994 mein Entschluss, ein Toiletten- und Badehaus am Campingplatz bauen zu lassen, was bei einer Sitzung mit den Mönchen mit großer Resonanz aufgenommen wurde. Im Winter 1994 wurde das dafür notwendige Bauholz für die Deckenkonstruktion in Kaschmir gekauft und auf der Eisdecke des gefrorenen Flusses Zanskar von den Mönchen nach Lingshed gezogen.
Im Sommer 1996 tünchten Lama Karma, Lama Dorje und ich das neue Bade- und Toilettenhaus traditionell mit weißem Kalkwasser und versahen das Flachdach mit einer schwarzen Farbborte. Das Häuschen besteht aus vier kleinen Räumlichkeiten. Zwei sind Toiletten nach ladakhischen Stil, also einfache kleine Kabinen mit einer Öffnung im Lehmboden, wo die Fäkalien in einen unteren Sammelraum fallen. Das benutze Toilettenpapier wird separat in einem Behälter gesammelt und jeden Tag von einem ladakhischen Bauern verbrannt, da es schwer verrottet. Die zwei Baderäume haben einen Betonboden mit Abfluss und Mann oder Frau kann sich mit einem Eimer Wasser dort nun ungesehen und in Ruhe waschen.
Der Bauer Tundup Dorje aus Lingshed hat somit auch noch mit 150,00 € Jahressalär einen guten Nebenverdienst bekommen und kümmerst sich in der Saison Mai, Juni, Juli, August und September um die Instandhaltung des Toilettenhauses incl. Blumenbepflanzung, was von den Touristen bestens angenommen wird.
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