2 Monate im Linghsed Chomo Gompa
Unglaublich gespannt war ich: wie würde es genau aussehen dort, wie würde ich leben, würde ich mit den Nonnen und den Leuten im Dorf klarkommen? Die Reise dorthin war für sich schon ein Erlebnis aber die Ankunft war absolut genial. Ca. 2 Stunden bevor ich ankomme sehe ich zum ersten Mal, von ganz weit oben, mein Zuhause auf Zeit. Das Dorf liegt weit verstreut in einem Talkessel und man sieht die Häuser, die hohen Gipfel und vor allem die Felder mit Weizen und Erbsen. Diese stehen bei meiner Ankunft Anfang Juli in voller Pracht und leuchten grün im ansonsten eher kargen Steingebirge auf 4000 MüM. Schon von weitem sehe ich, dass die Nonnen bereits auf meine Ankunft warten und mich traditionell mit einem Kata (weissen Schal) begrüssen. Ich fühle mich sofort wie zuhause: die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Nonnen macht es mir leicht. Nach ein paar Tagen hat sich ein Tages-Rhythmus eingespielt. Morgens um 6 Uhr ist Puja (Gebet) mit Buttertee, danach findet der Englischunterricht statt. Nach dem Mittagessen folge ich den Nonnen um ihnen bei ihren täglichen Arbeiten zu helfen. Wir bewässern die Felder, kochen in der bescheidenen Küche auf dem Holzofen für 30 Personen, ernten Rosenblätter für den Amchi (Doktor) und kümmern uns um die Esel und Ziegen. Auch beim Ernten ab August bin ich voller Elan dabei.
Alles wird hier noch von Hand gemacht und es ist extrem harte Arbeit welche unterbrochen wird durch Buttertee-Pausen wo wir gemütlich zusammensitzen und uns unterhalten. Mal auf English aber oft auch auf Ladakhi wo ich meine paar Brocken einsetzen kann. Einige der 25 Nonnen im Alter zwischen 10 und 56 Jahren, werden zu richtigen Freundinnen und wir haben immer was zu bereden. Abends falle ich jeweils todmüde in meinen Schlafsack. Langweilig wird es mir nie. Ich liebe die Gemeinschaft und Freundschaft mit den Nonnen. Kaum bin ich irgendwo kommt sicher eine „meiner“ Chomos (Nonnen) und setzt sich zu mir, es wird gelacht und gesungen: auf dem Feld, beim Unterricht und vor allem natürlich bei den Mahlzeiten, die wir alle gemeinsam einnehmen. Das Essen ist einfach, es gibt fast immer Reis und Dal (Linsen) zu Mittag und Abends werden alle erdenklichen Varianten von Tsampa (geröstetes Weizenmehl) gekocht. Oft mit Spinat in einer dicken Suppe (Thukpac) oder ab und zu als gedämpfte Version, aber immer sehr schmackhaft zubereitet.
Es gibt ein Satelliten-Telefon (ca. 30 Minuten vom Kloster) wo man auch mal nach Hause anrufen kann. Ein Trip dahin ist immer spannend: man trinkt auch dort Tee und trifft Leute aus dem Dorf mit denen man sich unterhält und ein paar Kekse, die man am Kiosk kaufen kann, teilt. Auch Ausflüge ins Dorf und zum Männerkloster waren immer erlebnisreich. Selbstredend dass man zu Fuss auf den schmalen Pfaden, die an den Bewässerungskanälen entlang laufen, unterwegs ist. Dabei immer wird man von den Dorfbewohnern angesprochen zum Cha (Tee) eingeladen. Obwohl diese fast immer gar kein Englisch sprechen sind diese Besuche ein Highlight. Freundlich wird man in den besten Raum des Hauses eingeladen, dann wird Tee serviert und man „erzählt“ sich mit Händen und Füssen woher man kommt und wohin man geht. Die Liebenswürdigkeit der Ladakhis ist unbeschreiblich und in ihren Häusern erhält man einen guten Einblick wie bescheiden die Leute leben.
Ich habe ganz viel mitnehmen können von den Bewohnern: die Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Gelassenheit beeindruckte mich sehr. Vor allem „meine“ Nonnen werde ich unheimlich vermissen und ich werde nie meine Zeit dort oben vergessen. Der Abschied fällt mir dann auch dementsprechend schwer. Ein wunderbares Erlebnis in einer anderen Welt.
Bis dann - Brigitte
zum Bericht von Elke Schulz über Ihren Aufenthalt im Nonnenklsoter Lingshed ->
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