Nepal liefert zwei tibetische Flüchtlinge an den chinesischen Grenzschutz aus

Veröffentlicht am 26. Juli 2010 in der Kategorie News 

ie der Sender Voice of Tibet (VOT, Die Stimme Tibets) berichtet, hat in krasser Mißachtung des sogenannten „Gentleman’s Agreement“ mit der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen in Nepal die nepalesische Polizei zwei Tibeter im Distrikt Humla festgenommen und den chinesischen Grenzschutzsoldaten überstellt.
Um Mitternacht am Mittwoch sandte ABC News in Nepal die Nachricht über die Festnahme der zwei Tibeter und ihre Rückführung nach Tibet, berichtete Dorjee Damdul, der Leiter des Tibetan Refugee Reception Centre in Kathmandu, dem Sender Voice of Tibet.
Dorjee kontaktierte sofort das Büro des UN Flüchtlingshochkommissariats in Kathmandu, das die Auslieferung der Flüchtlinge nach Rücksprache mit dem Fernsehkanal bestätigte. Über die Identität der zwei Tibeter ist nichts bekannt.
Hunderte von Tibetern riskierten bisher alljährlich ihr Leben, indem sie die gefährliche Flucht über die gebirgige Grenze nach Nepal antraten. Nepal, in dem es keine Asylgesetzgebung gibt, hat in letzter Zeit die Überwachung an seinen Grenzen zu Tibet dermaßen verschärft, daß es Tibetern kaum mehr möglich ist, aus ihrem besetzten Land zu entkommen.
Um International Campaign for Tibet (ICT) zu zitieren: “Die massive Einflußnahme Pekings auf die nepalesische Regierung, die Grenzschutztruppen, das Justizsystem und die ablehnende Haltung der Zivilgesellschaft in einer Phase politischer Unsicherheit in Nepal, bedeuten für die Tibeter, daß ihr Schutz immer dürftiger wird und damit die Gefahr der Festnahme und Rückschiebung immer größer, was sie zunehmend demoralisiert“.
Schätzungen zufolge flohen in der Vergangenheit jährlich 2.500 bis 3.000 Tibeter aus ihrem Land. Nepal diente ihnen als Transitland auf dem Weg nach Dharamsala. Diese Zahl ist seit 2008 drastisch gesunken, nachdem Nepal auf den Druck Chinas hin die Sicherheitsmaßnahmen entlang der Grenze verstärkte.
In den letzten Monaten gab es mehrfach Festnahmen von tibetischen Flüchtlingen in diversen Grenzdistrikten Nepals, aber sie wurden nach einigen Tagen im Polizeigewahrsam letzten Endes doch der UN-Flüchtlingsagentur übergeben.
Department of Information & International Relations (DIIR), www.tibet.net 15. Mai 2010
Tibeter suchen immer noch nach ihren bei den Demonstrationen 2008 verhafteten Angehörigen
Die tibetische Zentralverwaltung in Dharamsala erfuhr weitere Einzelheiten über die Ereignisse, die auf die friedliche Protestkundgebung der Mönche des Klosters Sera in Lhasa am 11. März 2008 und das brutale Eingreifen der chinesischen Regierung folgten (1).
Als eine Gruppe tibetischer Mönche am 10. März 2008 einen friedlichen Protestmarsch veranstaltete, schlossen sich ihnen die Mönche des Klosters Sera trotz der repressiven Maßnahmen der bewaffneten Polizei und des Klosterverwaltungsrates an. Als die tibetischen Bewohner um das Kloster herum davon hörten, daß die Mönche von der Polizei geschlagen wurden, beteiltigten sie sich sogleich an der Protestaktion.
Der 21jährige Gyaltsen, der aus dem Kreis Nyemo gebürtig ist und in Lhasa als Schneider arbeitete, sowie einige tibetische Jugendliche wurden am 11. März
2008 festgenommen und mißhandelt. Heute, nach zwei Jahren, ist ihr Aufenthaltsort immer noch unbekannt. Trotz intensiver Suche konnten ihre Verwandten sie nicht ausfindig machen.
Am 11. März 2008 durchsuchten Sondereinheiten der bewaffneten Polizei und Polizisten des PSB über 100 Privathaushalte, weil sie deren Mitglieder der Beteiligung an der Protestkundgebung vom 10. März verdächtigten. Etliche Tibeter wurden festgenommen und schwer geschlagen. Einer von ihnen wurdeinzwischen freigelassen, aber das Schicksal der übrigen Festgenommenen ist immer noch unbekannt.
Die Namen dieser Festgenommenen sind folgende: Tenzin, Tasang, Khyikyag, Wangdue, Phurbu, Namsey, Migmar, Pema; Kelsang, Tenzin, Dawa Tsering, Lhagwang Wangdue, Pasang, Khando, Norbu, Pasang Tsering, Pasang, Dorjee Tsering, Namgang, Nyima Tsering, Tashi Dorjee, Phurbu Ngodup, Lhakpa, Penpa, Dachoe, Phurbu und Tsering Lasang.
Außerdem erreichte ein Photo des 20jährigen Kunga (2), der am 24. März 2008 von den chinesischen Sicherheitskräften erschossen wurde, das Ausland. Es läßt ahnen, wie entsetzlich die in Tibet herrschende Repression ist.
Kunga war ein Mönch des Klosters Chogri im Bezirk Drango in der TAP Kardze.
Als er während einer friedlichen Protestaktion in Drango am 24. März 2008 zusammen mit anderen Mönchen den verwundeten Tibetern helfen wollte, geriet er selbst in den Kugelhagel und verlor sein Leben (3).
(1) 11. März 2008, „Dutzende von Tibetern wegen friedlicher Proteste in Lhasa festgenommen“, http://
www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/ProtestLhasa10March.html
(2) Bild des erschossenen Kunga unter http://www.tibet.net/en/index.php#
(3) 26. März 2009, „Bezirk Drango: Proteste nach Gebeten für Verstorbenen“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/Drango-Kardze_27.Mrz.html