Tibeter verbrennt sich selbst in Ngaba, mindestens eine Person von Polizei erschossen
Veröffentlicht am 16. Januar 2012 in der Kategorie News
Wie soeben bekannt wurde, verbrannte sich heute ein weiterer Tibeter im Bezirk Ngaba, Provinz Sichuan. Die Ortspolizei bemächtigte sich sofort seines Körpers, woraufhin etwa 700 Ortsansässige die Polizeistation bedrängten und die Herausgabe des Körpers forderten. Auf die Weigerung der Polizei hin kam es zu einem Zusammenprall, bei dem eine ältere Tibeterin von der chinesischen Polizei erschossen wurde.
Die Zentraltibetische Verwaltung (CTA) verurteilt den Einsatz von Gewalt gegen Zivilpersonen und appelliert an die internationale Gemeinschaft, einzuschreiten, damit die chinesische Regierung von ihrem gewaltsamen Vorgehen ablasse. Außerdem bittet sie die internationale Gemeinschaft, die Vereinten Nationen und liberal gesinnte chinesische Intellektuelle, Beobachter zu entsenden, um die Lage vor Ort zu beurteilen.
Die Volksrepublik China ist voll für diese Selbstverbrennungen verantwortlich zu machen. Es steht in ihrer Macht, durch die Annahme einer liberalen Politik gegenüber Tibet und dem tibetischen Volk diesen bedauerlichen Vorfällen ein Ende zu setzen.
Zusatz von Free Tibet, www.freetibet.org: Ein weiterer Tibeter verbrannte sich heute in Ngaba, und es wird von massiven Zusammenstößen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und den dortigen Tibetern berichtet, auch die Mönche im Kloster Kirti seien daran beteiligt. Mindestens eine Frau wurde erschossen, und unbestätigten Berichten zufolge wurden sogar viele Personen von Kugeln getroffen.
Ein Augenzeuge beschrieb die Lage als fürchterlich, ein sehr „starkes Gas“ sei gegen die Menge eingesetzt worden, so daß „viele zu Boden fielen“.
Kontakt: Thubten Samphel, Sprecher der CTA: +91 98050 24662, Lobsang Choedak,
Pressesprecher: +91 72779 3866
Zusammenstoß zwischen chinesischen und tibetischen Studenten in Chengdu
Veröffentlicht am 22. Dezember 2011 in der Kategorie News
„Verprügele einen Tibeter, und krieg’ ein Extralob“ – schreien chinesische Studenten
Zwischen den tibetischen Studenten und den Han-Chinesen an einer Ingenieurschule in der Provinz Sichuan brach wegen der Politik der bevorzugten Behandlung für Minderheiten-Gruppen ein Streit aus, der zu einer unbekannten Zahl an Verletzten führte.
Zu dem Zwist kam es, nachdem Han-Studenten, die zahlenmäßig die Tibeter um das Zehnfache übertreffen, Pekings Politik der bevorzugten Behandlung von ethnischen Minderheiten in Frage stellten.
Wie die tibetische Schriftstellerin Woeser berichtet, gingen in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember über dreitausend chinesische Studenten einer Ingenieurschule in Chengdu auf tibetische Studenten los, brachen in deren Schlafsäle und Klassenzimmer ein und verprügelten sie.
Die chinesischen Studenten, die Türen, Fenster und Möbel zerschlugen, hielten über 200 tibetische Studenten als Geiseln fest. „Die chinesischen Studenten schrien: ‚Verprügele einen Tibeter, und Du kriegst ein Extralob’“, schrieb Woeser in ihrem Blog.
Netzbürger stellten Photos ins Internet, die zerbrochene Pulte und Stühle in den Klassenzimmern zeigen, woraufhin die Behörden die Website der Schule sperrten.
„Du solltest gesehen haben, wie sie uns Tibeter in ihren Internet-Postings kränkten“, erklärte ein tibetischer Student RFA. Die Behörden spielten Berichte über den Gewaltausbruch herunter. Es habe sich nur um ein „kleineres Gerangel“ gehandelt.
Wie es heißt, trugen zahlreiche tibetische Studenten so schwere Verletzungen davon, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten.
Nachdem es der Schulleitung nicht gelungen war, den Zusammenstoß zu beenden, mußte die Polizei gerufen werden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Über eintausend paramilitärische Kräfte rückten an und setzten Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Auch mehrere Polizei- und Schulfahrzeuge wurden beschädigt.
Woeser schreibt auf ihrem Blog, daß am folgenden Tag, dem 15. Dezember, als die tibetischen Studenten zum Mittagessen in die Mensa gekommen waren, die chinesischen Studenten bei ihrem Anblick frohltten: „Wir Han-Chinesen haben ein Sieg über die stolzen Tibeter errungen“.
„Die Tibeter ärgerten uns schon so lange, die Feindschaft sitzt tief und ist schon alt“, sagte ein Han-Student am Donnerstag. „Letzte Nacht verdroschen wir sie, das war ein großer Sieg für uns“. „Wir zeigten ihnen, daß wir keine Leute sind, die man so einfach übergehen kann“.
Ein tibetischer Student sagte, er wünsche sich, daß die Behörden den Vorfall auf faire Weise untersuchten. „Wenn sie unsere Sicherheit nicht garantieren können, was für einen Sinn hat es dann, auf diese Schule zu gehen“, fügte ein anderer tibetischer Student hinzu. „Es wäre besser für uns, einfach zu Hause zu bleiben und das Vieh zu hüten. Dann wären wir wenigstens sicher“.
Bezüglich der staatlichen Fördermittel für ethnische Minderheiten sagte Woeser RFA: „Die Han Studenten meinen, ihre Klagen seien berechtigt. Aber die Minderheiten-Studenten sind der Ansicht, daß sie ein Anrecht auf eine bevorzugte Behandlung haben“.
„Sie fühlen, daß die Ausbildung, die sie nun erhalten, einer Sinisierung gleichkommt, weil sie in eine Schule in einer ihnen fremden Region gehen müssen. Sie befinden sich im Nachteil, weil sie ihre Muttersprache aufgeben und die der Han-Leute lernen müssen“.
Sie fügte hinzu, einige glaubten, die Programme zur Präferenzbehandlung der Minderheiten, die China nach den ethnischen Unruhen in Xinjiang vom Juli 2009 einführte, seien unfair.
„Ethnische Minderheiten sind zwar vorzugsberechtigt, aber nicht in nennenswertem Umfang; wenn man das ganze Bild betrachtet, dann wird schnell klar, daß sie recht rauh behandelt werden. Sie sehen sich vielen Einschränkungen und der Brutalität der Polizei gegenüber“.
„Die Nachricht über den Zwischenfall erschien in ein paar lokalen Nachrichtenportalen, aber wurde ganz schnell wieder daraus entfernt.
Tibeter verbrennen sich um des Glaubens und der Freiheit willen – von Tsering Woeser
Veröffentlicht am 19. Dezember 2011 in der Kategorie News
Als ich vor einem Monat Lhasa verließ und nach Peking zurückreiste, fühlte ich mich erleichtert, nicht mehr in einer Stadt unter Kriegsrecht leben zu müssen, mit Soldaten und Polizei an allen Ecken und Enden. Aber den Tibetern folgt der Schmerz, wo immer sie hingehen: Die Nachricht, daß noch einer Feuer Dreizehn Mönche und Nonnen haben sich seit 2009 aus Protest das Leben genommen. Schrecklich ist der Anblick von Palden Choetso, einer 35jährigen Nonne, die sich im vergangenen Monat verbrannte. Das Video (1) dauert nur drei Minuten, und kaum hat man es gestartet, ist man schockiert. Der ganze Körper der jungen Frau ist von Flammen umzüngelt, aber sie steht aufrecht da, sie gleicht einer brennenden Fackel. Ich verbarg mein Gesicht in den Händen, denn die Tränen flossen mir in Strömen herab.
Zuerst meinte ich, sie würde tatsächlich aus den Flammen nach vorne treten und dabei den Namen des Dalai Lama rufen. Erst nach genauerem Hinschauen wurde mir klar, daß sie sich keinen einzigen Schritt bewegt hatte, sondern ihr Oberkörper sich nach vorne neigte, während sie das Äußerste tat, um aufrecht zu bleiben. Die Leute auf der Straße kreischten, hilflos schauten sie drein, wie die tobenden Flammen ihre letzte Kraft verzehrten. Als die junge Nonne umfiel, hielt sie immer noch andächtig ihre Hände zusammen.
Ich wünschte, ich wäre das Mädchen in tibetischer Kleidung aus dem Video gewesen, die nicht schrie, sondern statt dessen auf die in Flammen stehende Palden Choetso zuging und ihr als ein Zeichen der Hochachtung eine reine weiße Khatag entgegenwarf.
Die Kommunistische Partei versteht nicht, warum so etwas geschieht. Die Despoten glauben nur an Gewehre und Geld. Sie glauben weder an sich selbst, noch können sie die Kraft des Glaubens verstehen, der zu solchen Taten großer Selbstverleugnung befähigt.
Die Tibeter sind nicht so töricht, daß sie ihr Leben geringschätzten. Es sind vielmehr diese Despoten, welche die Flammen, die diese Mönche und Nonnen verschlingen, entzündeten. Sie sind es, die sie zu solch einem Punkt der Verzweiflung getrieben haben.
Wenn ein wirklich großes Unheil eine Religion bedroht, dann stehen immer ein paar Gläubige auf, die bereit sind, Märtyrer zu werden, um ihre Religion zu beschützen. Während der Kulturrevolution schritten die Mönche des Klosters Famen bei Xian zur Selbstverbrennung, um zu verhindern, daß die Roten Garden ihre Pagode zerstörten (2).
Die chinesischen Kader und Sicherheitskräfte sind in allen Klöstern Tibets.
Die Partei hat sie hingeschickt, um alle Mönche und Nonnen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, um sie zu zwingen, den Dalai Lama als Dämonen zu beschimpfen und durch das Hochheben ihrer Hände zu bekennen, daß die Kommunistische Partei ihr Retter ist.
Die chinesische Regierung hat Angst, daß Tibeter, die ihr Leben opfern, die Lebenden inspirieren, Widerstand zu leisten. Aber gleichgültig, wie sehr sie sich auch bemüht, die Selbstverbrennungen zu verheimlichen und ihre Bedeutung zu entstellen, die Wahrheit kommt dennoch an den Tag. Sogar auf diesem Hochplateau, wo die Tibeter nur noch in Gewehrläufe blicken, wird es immer einzelne Personen geben, die bereit und willens sind, „brennende Märtyrer“ zu werden.
Ihr Opfer hat zweierlei Bedeutung, einmal, um ihren Glauben zu verteidigen und zum anderen, um für ihre Freiheit zu kämpfen. Während sie starben, riefen diese brennenden Tibeter: „Tibet muß frei sein!“ „Laßt den Dalai Lama nach Hause zurückkehren!“
(1) Video: http://media.phayul.com/?av_id=186&av_links_id=373
(2) Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Famen
Bilder von Khaying und Choephel, die sich am 7. Oktober verbrannten, aufgetaucht
Veröffentlicht am 19. Dezember 2011 in der Kategorie News
Das TCHRD erhielt die ersten Bilder der zwei jugendlichen Tibeter Khaying und Choephel, die sich aus Protest gegen die chinesische Herrschaft am 7. Oktober
2011 in der Stadt Ngaba, Provinz Sichuan, selbst verbrannten. Die Bilder wurden wahrscheinlich aufgenommen, als beide noch etwas jünger waren.
Augenzeugen berichteten, daß Choephel und Khaying, selbst als sie in Flammen standen, die Tibeter aufriefen, sich zu vereinigen und gegen das chinesische Regime zu erheben und die Rückkehr des Dalai Lama zu fordern.
Der 18jährige Khaying und der 19jährige Choephel, die beide Mönche des Klosters Kirti waren, erlagen am 8. bzw. am 11. Oktober ihren schweren Brandverletzungen. Am 8. Oktober, dem Tag, an dem Khaying starb, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua, die beiden seien außer Lebensgefahr und ihre Verletzungen nicht lebensbedrohlich. Innerhalb weniger Tage verstarben jedoch beide.
Kurz vor seinem Tod erklärte Khaying seinen Helfern im Krankenhaus, er sei mit sich im Frieden, daß er sein Leben für die Sache Tibets hingebe und er bedauere nichts. „Bitte seid nicht betrübt meinetwegen“, waren seine letzten Worte.
Selbst nach ihrem Tod ordneten die chinesischen Behörden strenge Einschränkungen für die Durchführung der letzten Rituale zu Hause an. Die Tibeter der Gegend wurden streng verwarnt, keine Zeichen von Trauer oder Unmut über ihren Tod zu zeigen oder den Angehörigen ihr Beileid auszusprechen.
Phayul, www.phayul.com
7. Dezember 2011
Verurteilung von zwei tibetischen Mönchen aus Gansu wegen Protest von 2008
Veröffentlicht am 13. Dezember 2011 in der Kategorie News
Die chinesischen Behörden in der nordwestchinesischen Provinz Gansu verurteilten zwei tibetische Mönche zu langen Haftstrafen, weil sie 2008 an den Protesten gegen die Herrschaft Pekings teilgenommen hatten. Die zwei Mönche des Klosters Tashi Choekhorling, die beide den Namen Tenzin Gyatso tragen, wurden zu 13 bzw. 15 Jahren verurteilt.
„Der ältere der beiden, der 40 Jahre alt war, bekam 15 Jahre Gefängnis und ist im Gefängnis in Lanzhou eingesperrt. Der jüngere, der 24 Jahre alt war, bekam 13 Jahre Gefängnis, er befindet sich in einer Haftanstalt in Dingxi“, berichtet eine Quelle aus Tibet.
Das Kloster Tashi Choekhorling liegt im Bezirk Chone (chin. Zhuoni) in der TAP Kanlho (chin. Gannan), Provinz Gansu. „2008 erhoben sich über 300 von den 500 Mönchen des Klosters gegen die chinesische Herrschaft. Alle wurden in Gewahrsam genommen“.
Später wurden 254 von ihnen, die verschieden lange in Haft waren, wieder freigelassen, fuhr die Quelle fort. Manche waren nur 10 bis 15 Tage lang inhaftiert, andere dagegen fünf bis sechs Monate lang. In der Haft wurden sie diversen Formen von Mißhandlungen unterzogen, darunter auch „schwerer Folterung“ und heftigen Schlägen. Ihre Ernährung und Kleidung war völlig unzureichend.
„Das Gefängnispersonal legte den hungrigen Mönche Tsampa und andere Nahrungsmittel vor und fragte sie hämisch, ob der Dalai Lama oder die Vereinten Nationen sie nun füttern und glücklich machen würden“. Die zwei kürzlich verurteilten Mönche gehörten zu den 300, die 2008 in Gewahrsam genommen worden waren.
Siehe auch: 25. Juni 2008, „Mönch in der Haft gestorben, zwei weitere zu langen Haftstrafen verurteilt“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TSC/TSC_PM_25.6.html








