Zuwanderung von Han-Chinesen führt zum Absterben der tibetischen Lebensweise
Veröffentlicht am 10. August 2010 in der Kategorie News
Tibet befindet sich in einem chaotischen Zustand, nachdem Tausende von Han-chinesischen Migranten – Arbeiter, Investoren, Kaufleute, Lehrer und Soldaten – in die entlegene Region strömen. Einem Artikel in The New York Times (1) zufolge ist die chinesische Führung der Ansicht, daß Entwicklung einhergehend mit einer starken Sicherheitspräsenz der Schlüssel für die Ruhigstellung der vorwiegend buddhistischen Region sei.
Peking investierte 2009 drei Milliarden Dollar in die Autonome Region Tibet (TAR), das ist 31% mehr als 2008. Tibets Bruttoinlandprodukt wächst mit einer Rate von 12% im Jahr, was schneller als der Durchschnitt in China ist. Obwohl der Zustrom von Geld und Arbeitskräften neuen Wohlstand geschaffen hat, vertiefte sich auch die Verbitterung bei vielen Tibetern.
Internationalen Experten zufolge findet im urbanen Tibet tatsächlich eine rasante wirtschaftliche Entwicklung statt. Es stellt sich jedoch die Frage:
Wer profitiert von dieser Entwicklung und zu welchen Bedingungen erfolgt sie?
Einem Zensus von 1990 zufolge gibt es in Lhasa außerhalb des traditionell tibetischen Barkhor-Marktes etwa 3.500 bis 4.000 Läden und Restaurants. Aber Tibeter besitzen nur 400-450 davon, so daß der Rest von 85% in nicht-tibetischem Besitz (sondern gewöhnlich von Han-Chinesen) ist. Folglich wurden die Tibeter wirtschaftlich an den Rand gedrängt und ihres eigenen, ihnen gerechterweise zustehenden Anteils beraubt. Chinesische offizielle Stellen behaupten „Die Tibeter bilden über 95% der 2,9 Millionen Einwohner der Region“, aber sie wollen keine Schätzungen über die Zahl der Han-Immigranten herausgeben, bei denen es sich um nicht-registrierte Bewohner handelt.
Einer der Hauptzwecke der massiven staatlichen Beihilfen ist die Urbanisation. Wie andere Städte auch, ist Lhasa expandiert und die Einwohnerzahl von 30.000 in den fünfziger Jahren auf 200.000 im Jahr 1998 gestiegen. So imposant diese Zahlen erscheinen mögen, sollte man die Statistiken genau anschauen, um zu verstehen, wer denn tatsächlich von dieser Urbanisation profitiert. Schätzungen zufolge sind nun 60-70% der Bevölkerung Lhasas Chinesen. Sie dominieren nicht nur den Sektor der Privatunternehmen, sondern besetzen auch die meisten Stellen in den Regierungsämtern. “Ungefähr 95% der offiziellen chinesischen Zuwanderer arbeiten in der Verwaltung und in staatseigenen Unternehmen”.
(1) „Unease in Tibet Over Influx of China’s Money and Migrants”, 26. July 2010, by Edward Wong, http://www.nytimes.com/2010/07/25/world/asia/25tibet.html
(2) Bei Students for a Free Tibet gibt es eine Online-Aktion an die nepalische Vize-Premier- und Außenministerin Sujata Koirala, in der Nepal zur Einhaltung des Völkerrechts aufgefordert wird. Bitte führen Sie diese Aktion
aus: http://sft.convio.net/site/R?i=pXnzop3sJOCSLMCv66Gedw
China bezahlt Nepal für die brutale Maßregelung der Tibeter
Veröffentlicht am 10. August 2010 in der Kategorie News
Wie Republica online (Nepal) berichtete, gab China am 27. Juli bekannt, daß es dem nepalischen Innenministerium eine jährliche Beihilfe von10 Million Yuan (1,47 Mio. US$) gewähren würde, um die Sicherheitsdienste im Land zu stärken, damit sie wirksamer gegen „Anti-Tibet-Aktivitäten“ vorgehen können.
Das chinesische Innenministerium wird diese Unterstützung, die nicht in den Rahmen der regulären jährlichen Zuwendungen Chinas an Nepal fällt, dem nepalischen Innenministerium direkt leisten.
Diese Ankündigung erfolgte während bilateraler Sicherheitsgespräche in Kathmandu. Der Innenminister Dr. Govind Prasad Kusum führte die nepalische Seite an, während der Vize-Minister für Öffentliche Sicherheit Chen Zhimin bei der auf Chinas Drängen hin abgehaltenen Tagung die chinesische Seite vertrat.
In dem Bericht wird das Innenministerium Nepals zitiert, dem zufolge Chen Zhimin bei dem Meeting Dr. Kusum Nachtsicht-Kameras und andere logistische Ausrüstung im Wert von zwei Millionen Yuan (US$ 295.006) überreichte, um die Schlagkraft der nepalischen Polizei, der Bewaffneten Polizeitruppe und der nationalen Untersuchungsbehörde zu stärken.
Neben den Beamten des Innenministeriums nahmen auch Vertreter der Polizei, der Bewaffneten Polizeitruppe, des Außenministeriums, des Justizministeriums und des Finanzministeriums Nepals an der Konferenz teil.
Unter den 11 Teilnehmern von chinesischer Seite waren auch der Botschafter Qui Guohong und andere Mitarbeiter der chinesischen Botschaft. „Jegliche Aktivität gegen Tibet im Namen von Religion und Menschenrechten sind inakzeptabel für uns, weil sie eine Bedrohung der Souveränität und Integrität Chinas darstellen“, werden chinesische Delegierte bei dem Treffen zitiert.
Zum ersten Mal seit 2003 hat die nepalische Regierung gewaltsam drei tibetische Flüchtlinge nach Tibet zurückgeführt in Verletzung ihrer eigenen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Gesetz. Die drei Tibeter, alle in den Zwanzigern, wurden Anfang Juni der chinesischen Grenzpolizei übergeben.
Zwei davon sind nun im Gefängnis. Nepals Handlung könnte einen verheerenden Beispielfall setzen für die über eintausend Tibeter, die jedes Jahr aus ihrem besetzten Land zu fliehen versuchen (2).
Seltenes Bildmaterial des kühnen Protestes von Runggye Adak am 1. August 2007 in Lithang
Veröffentlicht am 10. August 2010 in der Kategorie News
Heute erfolgte die Veröffentlichung eines kurzen Filmstreifens von Runggye Adak (1), eines 56jährigen Nomaden aus Lithang (chin. Litang) in der Provinz Sichuan (die tibetische Region Kham), der eine achtjährige Haftstrafe verbüßt, weil er öffentlich die chinesische Politik in Tibet kritisierte und die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet forderte.
Das ursprünglich ICT (International Campaign for Tibet) zugegangene und von ITSN (International Tibet Support Network) mit Übersetzungen versehene Fotomaterial (2) zeigt einen kurzen Ausschnitt aus Runggye Adaks Rede am 1.
August 2007 auf der Bühne bei dem populären Pferderennen in Lithang (3).
Genau in dieser Woche vor drei Jahren ergriff Runggye Adak das Mikrophon bei dem Pferdefest und sprach mehrere Minuten lang zu einer Tausende zählenden Menge von Tibetern, die zu der Eröffnungsfeier gekommen waren, ehe er von der bewaffneten Polizei festgenommen wurde.
„Ich sah ihn auf die Bühne treten, die voller chinesischer Militärs und Offizieller war. Er war ganz ruhig, würdevoll und sprach eindringlich. Leider verstand ich nicht, was er sagte, weil mir der Kham-Dialekt nicht geläufig ist, aber ich sah, wie die Tibeter um mich herum ihre Köpfe bekümmert schüttelten, denn sie fürchteten um ihn. Andere stimmten ihm offen zu“, schilderte ein Augenzeuge die Szene.
Das Transkript der kurzen Filmsequenz, die einen seltenen Einblick in die politische Protestszene in Tibet gewährt, lautet: „Diese Dinge wurden mit uns gemacht; habt ihr gehört, was mit uns geschah? Obwohl wir unsere Körper bewegen können, dürfen wir nicht ausdrücken, was in unseren Herzen ist. Wißt ihr das? Dieser Tage gibt es Leute, die sagen, wir brauchen den Dalai Lama nicht. Der Dalai Lama ist aber derjenige, den wir sechs Millionen Tibeter wirklich brauchen“. Augenzeugen bestätigten, daß Runggye Adak die Behauptung, die Tibeter brauchten den Dalai Lama nicht, entschieden zurückwies.
Einer neuen Mitteilung aus Tibet zufolge besteht Grund für ernste Sorgen um die Gesundheit von Runggye Adak und die seines Neffen Adak Lopoe, eines ranghöheren Mönchs des Klosters Lithang, der zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, sowie um den zu neun Jahren verurteilten tibetischen Lehrer und Musiker Kunkhyan.
Runggye Adaks Sohn, der 25jährige Jamyang Lobsang, der kürzlich nach Indien geflohen ist, veröffentlichte einen bewegenden Aufruf für die Freilassung seines Vaters, dessen gesundheitlicher Zustand immer schlechter wird. „Mein Vater Runggye Adak ist unschuldig. Was er sagte, ist wahr und stellt die Wünsche und Sehnsüchte der Tibeter in Tibet dar“ (4).
Verwandte des 56jährigen Runggye Adak, Vater von elf Kindern, berichteten, daß er auch Religionsfreiheit in Tibet und die Freilassung der politischen Gefangenen forderte, besonders die des Panchen Lama und Tenzin Delek Rinpoches, während ihm eine Menge von Tausenden von Tibetern zujubelte.
„Dieses eindrucksvolle Fotomaterial zeigt Rungyye Adak, der die wahre Sehnsucht der Tibeter in Tibet, mit ihrem geistlichen Oberhaupt vereint zu sein, in Worte faßt. Heute, nach drei Jahren inspirieren seine Überzeugung und sein mutiges Handeln die Tibeter allerorten“, sagte Dhardon Sharling von der Tibetischen Frauenvereinigung, die bei der Arbeitsgruppe von ITSN an den Kampagnen für politische Gefangene mitwirkt.
Nur Monate nach Runggye Adaks kühnen Worten im August 2007 kam es im gesamten tibetischen Hochland zu Hunderten von Protestaktionen, bei denen die Tibeter offen der chinesischen Herrschaft trotzten und die Rückkehr des Dalai Lama forderten. Chinesische Sicherheitskräfte reagierten mit extremer Gewalt, schossen willkürlich in die Menschenmengen, nahmen Tausende fest, und Tibet wurde mit bewaffneten paramilitärischen Truppen überzogen. Seit März 2008 hat die chinesische Regierung ihre Propaganda gegen den Dalai Lama intensiviert und die Schulungen zur patriotischen Umerziehung wieder aufgenommen, wozu gehört, daß sich die Beteiligten vom Dalai Lama lossagen müssen.
„Die drakonische Politik der chinesischen Regierung, die die Verehrung der Menschen für den Dalai Lama kriminalisiert, bewirkte nur, daß die Loyalität der Tibeter zu ihrem geistlichen und weltlichen Führer noch stärker wurde“, sagte Ngawang Woeber, der Präsident der Gu Chu Sum Vereinigung politischer Gefangener. „Wir rufen China auf, Runggye Adak und andere tibetische Gewissensgefangene unverzüglich freizulassen“.
„In Tibet gibt es eine wachsende Bewegung von Tibetern wie Runggye Adak, die sich den Restriktionen der Chinesen widersetzen und kühn für ihre Identität und ihre Überzeugungen eintreten. Die chinesische Regierung kann Einzelpersonen verhaften und ins Gefängnis werfen, aber sie kann die Stimme der Tibeter als Ganzes nicht zum Schweigen bringen. Indem China Runggye Adak hinter Gitter setzte, hat es paradoxerweise dazu beigetragen, seine Botschaft für Tibet der ganzen Welt zu verkünden. Wir rufen die internationale Gemeinschaft und unsere Politiker auf, von China nachdrücklich seine Freilassung zu fordern“, sagte Tenzin Dorjee, der Vorsitzende von Students for a Free Tibet.
Die chinesischen Behörden bezeichneten Runggye Adaks Rede als einen „größeren politischen Vorfall“ und klagten ihn der „Provokation zur Stürzung der Staatsmacht“ an. Während der Verhandlung stellte der Richter fest, daß Runggye Adak, indem er die Rückkehr des Dalai Lama forderte, „das Verbrechen der Untergrabung der Grundfesten der Volksrepublik Chinas beging“. Darauf antwortete Runggye Adak: „Ich wollte, daß Seine Heiligkeit zurückkehre, und ich wollte die Sorgen und das Leid der Tibeter artikulieren, weil es sonst keine Möglichkeit für uns gibt, dies zu tun. Das hat mich so sehr bekümmert, daß ich handeln mußte“ (5).
Auf Runggye Adaks Festnahme hin strömten über 200 Tibeter vor dem Polizeihauptquartier in Lithang zusammen und forderten seine Freilassung.
Augenzeugen beschreiben, wie die chinesische Polizei und das Militär durch Einsatz von Tränengas, Betäubungsgranaten und Metallruten die Menschen gewaltsam auseinandertrieben. Mehrere Tibeter um Runggye Adak wurden ebenfalls eingesperrt, so sein Neffe Adak Lopoe und Jamyang Kunkhyen, die nun Strafen von zehn Jahren bzw. neun Jahren verbüßen, weil sie ausländische Medien über Runggye Adaks mutige Rede informierten.
Runggye Adads Familie durfte ihn bisher nur einmal im Gefängnis Mianyang (6) besuchen, nachdem 50 Tibeter ein Gesuch an Lokalbeamte richteten. Er leidet unter Magen-Darm-Beschwerden und nachlassendem Augenlicht. Tibeter im Exil und ihre Unterstützer starteten eine neue Kampagne zu seiner Freilassung (7).
(1) http://vimeo.com/13880583 (auch mit deutschen Untertiteln) oder in hoher Auflösung bei ICT: http://www.flexform.de/twtstbgg
(2) Das kurze Video, das ein Tourist, der zufällig bei dem Pferderennen anwesend war, filmte, zeigt nicht Runggye Adaks gesamtes Statement. Der westliche Tourist war sich anfänglich der Bedeutung seines Materials gar nicht bewußt und stellte es daher ICT erst jetzt zur Verfügung.
(4) Ein Video seines Appells gibt es unter: http://www.flexform.de/toqyybge
(5) Radio Free Asia zufolge erklärte Runggye Adak dem Richter von der Anklagebank aus: „Als ich ‚Lang lebe der Dalai Lama!’ rief und die Freilassung der tibetischen politischen Gefangenen forderte, wurde ich festgenommen und anschließend formell verhaftet. Der Hauptgrund für meine Tat war, daß es in Tibet niemanden gibt, der kein Vertrauen in den Dalai Lama hätte, der nicht loyal zu ihm stünde und seine Rückkehr nicht herbeisehnte.
Im Widerspruch dazu verbreitet die chinesische Regierung Propagandalügen und behauptet, die Tibeter in Tibet hätten nicht mehr den Wunsch, ihn zu sehen und hätten den Glauben an ihn verloren. Doch das ist falsch, aber wir haben nicht die Freiheit, es zu sagen.”
(6) In diesem Gefängnis ist auch Tenzin Delek Rinpoche inhaftiert.
(7) Online-Petition: http://www.flexform.de/topuybgf
Verdrängung der tibetischen Sprache in Tibet
Veröffentlicht am 10. August 2010 in der Kategorie News
Die offizielle Sprache in Tibet ist Tibetisch, und China behauptet, die Bildung der Tibeter in ihrer Muttersprache zu fördern. Realität ist jedoch, daß alle Schulfächer, mit Ausnahme des Faches „Tibetisch“ selbst, auf Chinesisch gelehrt werden, berichtete Reuters am 14. Juli (1). Die Journalisten von Reuters gehörten zu einer Gruppe ausländischer Medienvertreter, die kürzlich eine von der chinesischen Regierung kontrollierte fünftägige Tour durch Tibet unternahmen.
In dem Bericht werden Lehrer aus Shigatse, der zweitgrößten Stadt des Landes, zitiert, die sagten, daß es für Fächer wie Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaften keine Lehrbücher auf Tibetisch gäbe, und daß alle Prüfungen, abgesehen von denjenigen in tibetischer Sprache, auf Chinesisch geschrieben werden müßten.
„Es wäre schwierig für die Schüler, Begriffe, die ihnen auf Chinesisch erklärt wurden, ins Tibetische zu übersetzen“, so wird der Rektor Cang Qiong der Shigatse Shanghai Experimental School zitiert, die mit Zuschüssen der Stadtverwaltung von Shanghai in einem heruntergekommenen Kloster eingerichtet wurde. Cang antwortete geduldig auf die vielen Fragen der ausländischen Reporter, die wissen wollten, warum Tibetisch so wenig verwendet wird.
Peking sagt, es fördere die Sprachen der Minderheiten und verweist dabei auf Radiosendungen in Gegenden, wo sie offiziell im Gebrauch sind, außerdem auf die amtlichen Schilder in Tibet - von den Firmenschildern an den Geschäften bis zu Ortsnamen -, wo die tibetische Aufschrift nebst der chinesischen Pflicht ist. Wenn es sich jedoch um Bildung, um offizielle Dokumente und Arbeitsplätze handelt, dann liegt der Schwerpunkt auf Chinesisch.
Das Resultat ist, daß sich ein Tibeter ohne gute chinesische Sprachkenntnisse keine Hoffnung machen kann, auf dem Arbeitsmarkt einen Job zu finden. „Wenn jemand kein Chinesisch spricht, könnte er genauso gut stumm sein“, wird in dem Bericht ein 16jähriger Student namens Dawan Dunjhu [Dawa Dhondup] zitiert.
Viele Tibeter sprechen jedoch kein Mandarin, besonders die, die in dem weiträumigen Landesinneren leben. Menschenrechtsgruppen und Exiltibeter beklagen, daß die Sprache in den Städten und bei der Elite immer mehr an den Rand gedrängt wird. „Ob man Tibetisch sprechen kann, ist schon zweitrangig geworden, aber ob man Chinesisch beherrscht, ist entscheidend für den Erwerb des Lebensunterhalts geworden“, wird die bekannte tibetische Bloggerin Woeser zitiert.
(1) Reuters, 14.7.2010, „Tibetans’ mother tongue faces tide of Chinese”, http://www.flexform.de/ttsqybgh
Neue Regeln schränken den Internetzugang in Tibet drastisch ein
Veröffentlicht am 10. August 2010 in der Kategorie News
Wie aus lokalen Medien hervorgeht, wurde die Internet-Zensur in Tibet weiter verschärft, denn auf Anordnung der Behörden müssen nun alle Internet-Cafés Überwachungssysteme nach dem letzten Stand der Technik installieren. Der Verordnung zufolge sollten alle für den Gebrauch der Öffentlichkeit in der Autonomen Region Tibet aufgestellten Computer dieses neue System bis Ende des Monats installiert haben.
Die zuständige Behörde hat Techniker überallhin geschickt, um das neue System in den einzelnen Internet-Cafés zu installieren und ihre Besitzer sowie das Personal, das die Geräte bedient, in seiner Anwendung zu schulen.
Die chinesische Regierung behauptet, die neuen Bestimmungen dienten dazu, den Online-Zugang von Minderjährigen zu pornographischem Material zu vereiteln. Allerdings sind viele der Ansicht, daß der wahre Zweck der Maßnahme der ist, zu verhindern, daß die Benutzer in Tibet auf Medienberichte und den Inhalt sozialer Netzwerke aus dem Ausland zugreifen können. Mit dem neuen System haben die Internet-Kontrolleure die Möglichkeit zu direkter Intervention von oben, sollten die Regeln geändert werden, womit den Ladenbesitzern der Zugang aus der Hand genommen wird.
Diese neue Maßnahme erfolgte, nachdem die „Registrierung mit dem echten Namen“ bereits überall in Tibet zur Pflicht gemacht wurde. Es ist nun erforderlich, daß alle anonymen Inhalte entfernt werden, und Foren-Moderatoren und Foren-Nutzern wird verboten, sich unter fiktiven oder falschen Namen einzuloggen.
Gemäß diesem, im ganzen Land eingeführten System, das seit dem 1. August in Kraft ist, müssen die Benutzer ihre Personalausweise der zweiten Generation einlesen lassen, ehe sie Online gehen dürfen. Anhand des Überwachungssystems kann die Internet-Polizei daher zurückverfolgen, welche Inhalte ein Benutzer angeschaut hat.
„Überrascht bin ich eigentlich nicht von dieser neuen Politik, denn die ganze Welt weiß, daß es keine Medienfreiheit und keine freie Meinungsäußerung in China und Tibet gibt“, kommentierte Y.C. Dhardhowa, der Herausgeber der Netzseite Tibet Post International in Dharamsala. „Die Chinesen entwickeln nicht nur ihre Technologie und Internet-Software immer weiter, sondern sie versuchen auch ständig, ihre Techniken zu verbessern, um das, was in China und besonders in Tibet elektronisch vor sich geht, perfekt zensieren zu können.








