Tibeter widersetzen sich den Wiederaufbauplänen der Regierung für das Erdbebengebiet
Veröffentlicht am 21. Juni 2010 in der Kategorie News
Die ortsansässigen Tibeter wenden sich gegen die Pläne der chinesischen Regierung zum Wiederaufbau der von dem Erdbeben am 14. April verwüsteten Gegend um Jyekundo (chin. Yushu). Sie sagen, durch die geplanten neuen staatlichen Gebäude und Schulen würden sie von ihren wertvollen Grundstücken, lukrativen Geschäften und Wohnungen im Zentrum von Jyekundo verdrängt.
Ferner berichten sie, der einzige Hinweis auf die Pläne der Regierung seien Anschläge in chinesischer Sprache gewesen, obwohl die meisten von ihnen dieser Sprache nicht mächtig sind. Sie konnten die Bedeutung der Baupläne für ihre Stadt nur mühsam anhand von Bildern entziffern. Free Tibet ist besorgt, daß die ortsansässigen Tibeter, die über 97% der Einwohner von Jyekundo ausmachen, von der chinesischen Verwaltung bei der Planung des Wiederaufbaus nicht genügend einbezogen werden, und daß ihre Bedürfnisse nicht respektiert werden.
Die Grundstücke an den zwei Hauptstraßen von Jyekundo sind von hohem Wert und die Geschäfte an diesen Durchfahrtsstraßen sehr einträglich, denn sie profitieren von dem saisonbedingten Handel, der während der berühmten jährlichen Reiterspiele besonders floriert. Die chinesische Verwaltung plant offensichtlich, die dortigen Bewohner und Geschäftsbesitzer an die Peripherie der Stadt zu bewegen. Ein Umzog dorthin würde sich sehr negativ auf den Lebensunterhalt dieser Tibeter auswirken.
Die von den Plänen betroffenen Tibeter versuchten wiederholt mit den Offiziellen zu sprechen und ihre Bedenken vorzubringen. Außerdem sollen sich am 1. Juni bis zu 200 Tibeter vor den Toren der Präfekturverwaltung von Jyekundo versammelt haben, weil sie hofften, mit dem auf Besuch weilenden chinesischen Vizepräsidenten Xi Jinping sprechen zu können. Aber dazu kam es nicht.
Offiziellen Medien zufolge beabsichtigt China, für den Wiederaufbau der von dem schweren Erdbeben heimgesuchten Gegend 32 Mrd. Yuan (US$ 4,68 Mrd.) bereitzustellen.
Radio Free Asia zitiert einen Mönch des dortigen Klosters, Tsering Gyatso:
„Wichtig ist, daß in der verwüsteten Gegend eine Menge Einwohner Grundstücke gekauft hatten, auf denen sie ihre Häuser bauen wollten. Und nach dem Erdbeben will die Regierung sie nun alle an einen anderen Ort bewegen, wo sie ihre Häuser bauen sollen. Dazu hat die Regierung pro Haushalt 80 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen, obwohl die bisherigen Grundstücke einiger Familien viel größer sind, bis zu eintausend Quadratmeter. Einige von ihnen hatten die Ersparnisse ihres ganzen Lebens in diesen Grund und Boden investiert.“ Die Tibeter seien außerdem gar nicht glücklich über das Land, das ihnen die Regierung zuweisen will, weil es ziemlich weit entfernt ist.
Und die Vorsitzende von Free Tibet, Stephanie Brigden kommentiert: „Es ist empörend, daß die chinesische Administration in dieser tibetischen Stadt die Einwohner über die geplanten Veränderungen, die eine derart negative Auswirkung auf ihr Leben haben werden, in einer Sprache informiert, die sie nicht sprechen, geschweige denn lesen können.
Free Tibet ist sehr besorgt, daß die dortigen Tibeter bei der Planung des Wiederaufbaus von Jyekundo kein Mitspracherecht bekommen. Wir fürchten, daß die Zerstörung dieser tibetischen Stadt dem chinesischen Regime eine Gelegenheit bietet, einer unwilligen Bevölkerung die chinesischen Prinzipien der Stadtplanung aufzuzwingen. In einer Stadt, deren Einwohner so überwiegend tibetisch sind, ist es wesentlich, daß die Einheimischen miteinbezogen werden und daß der tibetische Charakter der Stadt bei dem Wiederaufbau respektiert wird.“
Kontakt: Stefanie Brigden, phone:+44 (0)7971 479515
Neue drakonische Überwachungsmaßnahmen in den Hotels von Lhasa
Veröffentlicht am 17. Juni 2010 in der Kategorie News
Die Personalangaben aller Gäste, die Zimmer in den Hotels und Gästehäusern von Lhasa buchen, werden von nun an elektronisch aufgenommen und in einer zentralen Polizei-Datenbank gespeichert. Außerdem müssen die Angestellten der Hotels das Tun und Treiben der Gäste überwachen.
Im Zuge der nochmals verschärften Sicherheitsmaßnahmen werden die Hotels in der tibetischen Hauptstadt Lhasa nun gezwungen, elektronische Überwachungsanlagen zu installieren. Neue Polizeiverordnungen gebieten Hotels und Gästehäusern in der Stadt, Scanner zur elektronischen Erfassung von Personalausweisen zu installieren sowie Videoüberwachungsanlagen, um die Aktivitäten der Gäste genau zu verfolgen.
„Wir ließen all diese Anlagen bereits installieren“, sagte der Besitzer eines Gästehauses in Lhasa. „Wir mußten es tun, denn andernfalls laufen wir Gefahr, daß die Stadtpolizei von Lhasa uns die Geschäftslizenz entzieht“.
„Wir haben jetzt die Monitoring-Geräte, wir haben einen Scanner für die elektronischen Ausweise der zweiten Generation installiert und ein Datenbanksystem für die Informationsverarbeitung“. Die Gesamtkosten für sein Unternehmen hätten sich auf etwa 8.000 Yuan (US$ 1.170) belaufen, fügte er hinzu.
„Wir müssen auch Sicherheitsdienste beauftragen, und wenn wir sie selbst einstellen, dann müssen sie ein einwöchiges Training bei der Jindun Co. in Lhasa absolvieren, ehe sie die Erlaubnis zur Ausübung ihres Dienstes erhalten“, sagte der Gästehausbesitzer weiter.
Ein per Telefon kontaktierter Angestellter eines kleinen Hotels in Lhasa, der sich Zhang nannte, sagte, die neuen Regeln würden am Dienstag in Kraft treten. „Wir haben jetzt alles installiert, was von uns verlangt wurde. Es spielt keine Rolle, wie groß ein Hotel ist, die Wachleute müssen das Training machen und eine Lizenz ausgestellt bekommen, ehe sie tätig werden können“.
„Bisher mußten nur Hotels ab einer gewissen Größe diese Bedingungen erfüllen, aber jetzt müssen sich alle an die Regeln halten, gleichgültig wie groß ihre Kapazität ist“. Für die kleineren Gästehäuser wird durch diese neuen Sicherheitsbestimmungen unterm Strich nichts mehr herauskommen, fügte er hinzu.
„Die Kartenlesegeräte können alle wesentlichen Informationen von dem Ausweis aufnehmen, und dann werden diese über ein Netzwerk an eine zentrale Polizeidienststelle übermittelt.“
Kein Gast darf ohne einen Personalausweis in einem Hotel absteigen, ebenso werden Ausländer nun strenger kontrolliert. „Wir müssen über jeden ausländischen Gast täglich der Polizeistation Bericht erstatten“, fuhr Zhang fort. „Überhaupt dürfen nur Hotels mit mehreren Sternen Gäste aus dem Ausland aufnehmen, den Familiengästehäusern ist das nicht erlaubt“.
Ein Polizeibeamter in der Jinzhu Zhonglu Polizei-Station, die einen Teil des Überwachungssystems bildet, weigerte sich, Auskunft über die neue Verordnung zu geben. „Es paßt mir schlecht, Ihnen das alles zu sagen. Wenn Sie weitere Auskünfte haben möchten, dann wenden Sie sich an das lokale Sicherheitsbüro“.
Die Polizei würde ihr Monitoring der Informations-Datenbank optimieren, um die Menge an Informationen, die durch das neue System hereinkommt, zu bewältigen, heißt es in einem Bericht der offiziellen Lhasa Evening News.
Die neuen Sicherheitsanlagen würden bis spätestens 30. Mai in einem Distrikt und sieben Kreisen des Bezirks Lhasa installiert werden.
Diese Sicherheitsbestimmungen für Hotels folgen dicht auf die kürzlich verfügten Einschränkungen des kulturellen Lebens der Tibeter, etwa den Zugang zu den Copyshops für die Vervielfältigung von tibetisch-sprachigem Material
Tibeter in der Erdbebenregion Kyegudo protestieren gegen die Enteignungspläne der Regierung
Veröffentlicht am 17. Juni 2010 in der Kategorie News
Dutzende von tibetischen Einwohnern der kürzlich durch ein Erdbeben verwüsteten Region Kyegudo protestieren gegen die Pläne der Lokalverwaltung, ihnen ihren Grund und Boden wegzunehmen, um darauf Eigenheime, Schulen, Parks, Hotels, Bürogebäude und andere Baulichkeiten zu errichten.
Einige der von den Behörden beanspruchten Grundstücke haben durch das Erdbeben im April überhaupt nicht Schaden genommen.
„Die Lokalregierung hat die Bewohner aus ihren Häusern vertrieben – sie sagen, sie müßten das Gelände säubern, um Bürogebäude, Schulen und Parks darauf zu errichten. Sie wollen uns das Land von unseren Häusern und Feldern wegnehmen“, sagte ein Einwohner von Yushu.
„Das hat die Tibeter hier sehr aufgebracht, sie argumentierten, daß das Land ihnen seit Generationen gehöre. Deshalb zogen sie in den vergangenen Tagen zu Hunderten vor die Gebäude der Lokalregierung. „Täglich protestieren um die 100 Tibeter und fordern ihr Recht, auf ihren Grund und Boden und ihre Felder zurückkehren zu können, aber die Behörden schenken ihnen kein Gehör.“
Ein anderer Tibeter sagte, „mehrere Hundert“ Tibeter hätten protestiert. Er sei sich nicht sicher, ob die Polizei Laien oder Mönche festgenommen habe. „Die Leute wollen nicht darüber reden, sie haben solche Angst“.
Viele der dort ansässigen tibetischen Familien halten nichts von dem Angebot der Regierung, ihnen als Entschädigung für den Verlust ihres Grunds und Bodens je 80 qm große Häuser zur Verfügung zu stellen. „Wir Tibeter haben schon immer große Familien gehabt und viele Mitglieder einer Familie wohnen unter einem Dach. Deshalb ist eine Wohnfläche von 80 qm einfach zu wenig für uns“, fügte der Bewohner Yushus hinzu.
Ein per Telefon kontaktierter Polizist bestätigte, daß es so einen Vorfall gäbe, aber meinte: „Ich habe keine genauen Information für Sie“. Eine Angestellte in der Bezirksregierung von Yushu gab an, daß über eintausend Tibeter seit Tagen vor dem Gebäude ausharrten und eine Lösung des Konflikts um das Land forderten. Die Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, fügte hinzu, daß Vertreter der Bezirksregierung entsandt worden seien, um mit den Protestierenden zu sprechen.
„Die Bittsteller wollten mit einigen Offiziellen reden, und das konnten sie nun tun. Aber nicht mit Xi Jinping. Die Angelegenheit ist noch nicht gelöst. Sie sagen, die Regierung habe ihnen ihr Land weggenommen und sie wollen es zurückhaben, sie wollen ihre Häuser zurückhaben. Sie protestierten hier täglich, aber heute sind es etwas wenig geworden“, sagte sie. Festnahmen habe es keine gegeben, meinte sie.
Die Polizei ließ die protestierenden Tibeter nicht an den chinesischen Vize-Präsidenten Xi Jinping heran, als dieser kürzlich der Gegend einen Besuch abstattete, bestätigte ein anderer Bewohner.
Ein aus Yushu gebürtiger Tibeter, der jetzt in den USA wohnt, berichtete, seine dort verbliebenen Angehörigen hätten geklagt, daß „die Lokalregierung sich die besten Grundstücke für den Bau von staatlichen Gebäuden, Schulen und öffentlichen Parks reserviere“.
„Die Tibeter, die beim Staat angestellt sind, folgen den Instruktionen der Regierung, aber die anderen appellierten, daß diese Entscheidungen zurückgenommen werden sollten. Sie erklärten den Behördenvertretern, daß, gleichgültig, ob sie nun seit 10 oder 20 Jahren hier lebten, sie nicht von ihrem Land weichen würden“.
„Sogar während der Kulturrevolution, als viele Tibeter ihre Lieben verloren, bestanden sie darauf, auf dem Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“.
Ein anderer Tibeter, der jetzt in New York wohnt und dessen Verwandte noch in Yushu sind, sagte, die chinesische Regierung habe damit begonnen, kleine Wohneinheiten für die Umsiedelung aus Yushu zu bauen, die für die dort ansässigen Tibeter aber sehr ungeeignet seien.
„Die Tibeter dort sind dagegen, daß die Regierung diese kleinen Wohneinheiten für sie baut. Sie ziehen die Hilfe von internationalen Wohlfahrtsorganisationen vor oder möchten lieber ihre eigenen Häuser langsam selber wiederaufbauen als in diese vom Staat gestellten Behausungen zu ziehen.“
Der aus Yushu stammende Tibeter fügte hinzu, die Tibeter der Gegend seien größtenteils recht selbstgenügsam, und er lobte die tibetischen Mönche für ihr schnelles Handeln, als sie den Opfern des Erdbebens im April erste Hilfe leisteten.
„Einige Opfer bekamen überhaupt nichts von der Regierung, selbst nach drei oder vier Wochen noch nicht, weil alle Hilfsgüter so viele Kontrollen und Verifizierungen passieren mußten. Die tibetischen Mönche brachten jedem Betroffenen eigenhändig und ohne Verzögerung das Allernotwendigste“.
Kunga Tashi, ein Mitarbeiter im Tibet-Büro in New York, bedauerte, daß die tibetischen Mönche so bald nach der Katastrophe von der Regierung zum Verlassen der Region gezwungen wurden. „Dem religiösen Glauben der Tibeter entsprechend sollen sie gute Taten für gewöhnliche Leute vollbringen. Daß sie nun aus unklaren Gründen aus der Katastrophenregion ausgewiesen wurden, hat sie tief verletzt und könnte auf die Dauer zu einer Art von Instabilität führen“, sagte Tashi.
Bald nach dem Erdbeben forderte Chinas mächtige Propagandamaschinerie, die „negativen Nachrichten“ über das Geschehen in Yushu einzuschränken. In ihrer Direktive vom 25. April an die Nachrichtenagenturen wies die zentrale Propagandaabteilung die staatlichen Medien an, nicht mehr so viel über die von den Tibetern selbst geleistete Hilfe in dem am schlimmsten betroffenen Gebiet zu berichten.
„Berichtet über das Erdbeben in wissenschaftlichen Begriffen, übt keine Kritik an dem Erdbeben-Frühwarnsystem, konzentriert euch nicht zu sehr auf die Bemühungen der buddhistischen Mönche, und berichtet statt dessen ausführlich über die von dem staatlichen Fernsehen CCTV organisierten Spendenaufrufe“, heißt es in der Direktive.
Die tibetischen Bewohner von Yushu sagen, die Berichterstattung der staatlichen Medien sei weit davon entfernt, die tatsächliche Lage vor Ort wiederzugeben, und die Rettungs- und Aufräumoperationen seien unzulänglich. Chinas offizieller Nachrichtenagentur Xinhua zufolge kamen bei dem Erdbeben 2.700 Menschen ums Leben, während die Schätzungen der Tibeter viel höher liegen.
Tibeter in der Erdbebenregion Kyegudo protestieren gegen die Enteignungspläne der Regierung
Veröffentlicht am 17. Juni 2010 in der Kategorie News
Dutzende von tibetischen Einwohnern der kürzlich durch ein Erdbeben verwüsteten Region Kyegudo protestieren gegen die Pläne der Lokalverwaltung, ihnen ihren Grund und Boden wegzunehmen, um darauf Eigenheime, Schulen, Parks, Hotels, Bürogebäude und andere Baulichkeiten zu errichten.
Einige der von den Behörden beanspruchten Grundstücke haben durch das Erdbeben im April überhaupt nicht Schaden genommen.
„Die Lokalregierung hat die Bewohner aus ihren Häusern vertrieben – sie sagen, sie müßten das Gelände säubern, um Bürogebäude, Schulen und Parks darauf zu errichten. Sie wollen uns das Land von unseren Häusern und Feldern wegnehmen“, sagte ein Einwohner von Yushu.
„Das hat die Tibeter hier sehr aufgebracht, sie argumentierten, daß das Land ihnen seit Generationen gehöre. Deshalb zogen sie in den vergangenen Tagen zu Hunderten vor die Gebäude der Lokalregierung. „Täglich protestieren um die 100 Tibeter und fordern ihr Recht, auf ihren Grund und Boden und ihre Felder zurückkehren zu können, aber die Behörden schenken ihnen kein Gehör.“
Ein anderer Tibeter sagte, „mehrere Hundert“ Tibeter hätten protestiert. Er sei sich nicht sicher, ob die Polizei Laien oder Mönche festgenommen habe. „Die Leute wollen nicht darüber reden, sie haben solche Angst“.
Viele der dort ansässigen tibetischen Familien halten nichts von dem Angebot der Regierung, ihnen als Entschädigung für den Verlust ihres Grunds und Bodens je 80 qm große Häuser zur Verfügung zu stellen. „Wir Tibeter haben schon immer große Familien gehabt und viele Mitglieder einer Familie wohnen unter einem Dach. Deshalb ist eine Wohnfläche von 80 qm einfach zu wenig für uns“, fügte der Bewohner Yushus hinzu.
Ein per Telefon kontaktierter Polizist bestätigte, daß es so einen Vorfall gäbe, aber meinte: „Ich habe keine genauen Information für Sie“. Eine Angestellte in der Bezirksregierung von Yushu gab an, daß über eintausend Tibeter seit Tagen vor dem Gebäude ausharrten und eine Lösung des Konflikts um das Land forderten. Die Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, fügte hinzu, daß Vertreter der Bezirksregierung entsandt worden seien, um mit den Protestierenden zu sprechen.
„Die Bittsteller wollten mit einigen Offiziellen reden, und das konnten sie nun tun. Aber nicht mit Xi Jinping. Die Angelegenheit ist noch nicht gelöst. Sie sagen, die Regierung habe ihnen ihr Land weggenommen und sie wollen es zurückhaben, sie wollen ihre Häuser zurückhaben. Sie protestierten hier täglich, aber heute sind es etwas wenig geworden“, sagte sie. Festnahmen habe es keine gegeben, meinte sie.
Die Polizei ließ die protestierenden Tibeter nicht an den chinesischen Vize-Präsidenten Xi Jinping heran, als dieser kürzlich der Gegend einen Besuch abstattete, bestätigte ein anderer Bewohner.
Ein aus Yushu gebürtiger Tibeter, der jetzt in den USA wohnt, berichtete, seine dort verbliebenen Angehörigen hätten geklagt, daß „die Lokalregierung sich die besten Grundstücke für den Bau von staatlichen Gebäuden, Schulen und öffentlichen Parks reserviere“.
„Die Tibeter, die beim Staat angestellt sind, folgen den Instruktionen der Regierung, aber die anderen appellierten, daß diese Entscheidungen zurückgenommen werden sollten. Sie erklärten den Behördenvertretern, daß, gleichgültig, ob sie nun seit 10 oder 20 Jahren hier lebten, sie nicht von ihrem Land weichen würden“.
„Sogar während der Kulturrevolution, als viele Tibeter ihre Lieben verloren, bestanden sie darauf, auf dem Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“.
Ein anderer Tibeter, der jetzt in New York wohnt und dessen Verwandte noch in Yushu sind, sagte, die chinesische Regierung habe damit begonnen, kleine Wohneinheiten für die Umsiedelung aus Yushu zu bauen, die für die dort ansässigen Tibeter aber sehr ungeeignet seien.
„Die Tibeter dort sind dagegen, daß die Regierung diese kleinen Wohneinheiten für sie baut. Sie ziehen die Hilfe von internationalen Wohlfahrtsorganisationen vor oder möchten lieber ihre eigenen Häuser langsam selber wiederaufbauen als in diese vom Staat gestellten Behausungen zu ziehen.“
Der aus Yushu stammende Tibeter fügte hinzu, die Tibeter der Gegend seien größtenteils recht selbstgenügsam, und er lobte die tibetischen Mönche für ihr schnelles Handeln, als sie den Opfern des Erdbebens im April erste Hilfe leisteten.
„Einige Opfer bekamen überhaupt nichts von der Regierung, selbst nach drei oder vier Wochen noch nicht, weil alle Hilfsgüter so viele Kontrollen und Verifizierungen passieren mußten. Die tibetischen Mönche brachten jedem Betroffenen eigenhändig und ohne Verzögerung das Allernotwendigste“.
Kunga Tashi, ein Mitarbeiter im Tibet-Büro in New York, bedauerte, daß die tibetischen Mönche so bald nach der Katastrophe von der Regierung zum Verlassen der Region gezwungen wurden. „Dem religiösen Glauben der Tibeter entsprechend sollen sie gute Taten für gewöhnliche Leute vollbringen. Daß sie nun aus unklaren Gründen aus der Katastrophenregion ausgewiesen wurden, hat sie tief verletzt und könnte auf die Dauer zu einer Art von Instabilität führen“, sagte Tashi.
Bald nach dem Erdbeben forderte Chinas mächtige Propagandamaschinerie, die „negativen Nachrichten“ über das Geschehen in Yushu einzuschränken. In ihrer Direktive vom 25. April an die Nachrichtenagenturen wies die zentrale Propagandaabteilung die staatlichen Medien an, nicht mehr so viel über die von den Tibetern selbst geleistete Hilfe in dem am schlimmsten betroffenen Gebiet zu berichten.
„Berichtet über das Erdbeben in wissenschaftlichen Begriffen, übt keine Kritik an dem Erdbeben-Frühwarnsystem, konzentriert euch nicht zu sehr auf die Bemühungen der buddhistischen Mönche, und berichtet statt dessen ausführlich über die von dem staatlichen Fernsehen CCTV organisierten Spendenaufrufe“, heißt es in der Direktive.
Die tibetischen Bewohner von Yushu sagen, die Berichterstattung der staatlichen Medien sei weit davon entfernt, die tatsächliche Lage vor Ort wiederzugeben, und die Rettungs- und Aufräumoperationen seien unzulänglich. Chinas offizieller Nachrichtenagentur Xinhua zufolge kamen bei dem Erdbeben 2.700 Menschen ums Leben, während die Schätzungen der Tibeter viel höher liegen.
Prozeß gegen bekannten tibetischen Umweltaktivisten und Antiquitätensammler Karma Samdhup
Veröffentlicht am 17. Juni 2010 in der Kategorie News
Karma Samdhup, ein prominenter tibetischer Geschäftsmann und Umweltaktivist – zugleich Gründer und Geschäftsführer der durch mehrere Auszeichnungen gewürdigten Umweltschutz-NGO „Drei Flüsse“ und der Hauptakteur in dem bekannten Buch „Himmlische Perlen“ von Liu Jianqiang – wird unter der Anklage der Grabplünderung vor Gericht gestellt
Dieser Fall wurde zuerst von der Schriftstellerin Woeser auf ihrem Blog publik gemacht. The Times veröffentlichte ebenfalls einen diesbezüglichen Artikel. Der Prozeß wurde aus nicht genannten Gründen verschoben.
Es scheint, daß die Behörden Karma Samdhup eine kriminelle Tat anhängten, weil er versuchte, seine zwei Brüder aus dem Gefängnis freizubekommen.
Diese waren wegen „Gefährdung der Staatssicherheit“ im Zusammenhang mit einem kleinen Umwelt-Verein, den sie in ihrer Heimatstadt Gonjo gegründet hatten, verhaftet worden. Der tatsächliche Grund für ihre Festnahme scheint sich jedoch auf einen Vorfall zu beziehen, als sie versuchten, den lokalen Polizeichef am Jagen von geschützten Wildtieren zu hindern.
The Times schreibt weiter:
Chinas führender Privatsammler von tibetischen Kunstwerken und Antiquitäten, ein Umweltaktivist, wird wegen Grabplünderung vor Gericht gestellt, eine Anklage, die bereits vor zwölf Jahren gegen ihn erhoben, aber dann von der Polizei zurückgenommen wurde.
Karma Samdup, der Anfang 40 ist und aus einem Dorf im Bezirk Gonjo (chin.
Gongjue) in der unruhigen Präfektur Chamdo, TAR, stammt, könnte auf Grund der Anklage, die vermutlich auf politischen Differenzen zwischen dem prominenten tibetischen Geschäftsmann und den Behörden beruht, zu lebenslänglicher Haft verurteilet werden.
Er wurde im Januar festgenommen, als er sich gerade in Chengdu aufhielt, um mit der Hyatt Hotelkette Pläne für den Bau eines museumsartigen Hotels in Lhasa zu besprechen. Er wurde in die vorwiegend moslemische Region Xinjiang verbracht, um dort wegen Grabplünderung vor Gericht gestellt zu werden.
Diese Anklage wurde zuerst 1998 gegen ihn vorgebracht, aber bald wieder fallen gelassen, als sich herausstellte, daß der tibetische Geschäftsmann sich gar nicht bewußt war, daß die alten Kunstgegenstände, die er erwarb, ihm von Grabräubern verkauft worden waren. Er war im Besitz einer staatlichen Lizenz zum Kauf von Antiquitäten und überzeugte die Polizei, daß er nichts über die Herkunft der Gegenstände wissen konnte.
Karma Samdup ist der dritte von drei Brüdern, die in den letzten Monaten in Haft genommen wurden. Karmas zwei Brüder wurden im August 2009 mit der Begründung festgenommen, ihre lokale Umweltschutzorganisation namens Kham Anchung Senggenamzong arbeite illegal. Karma selbst gründete die angesehene Umweltschutzvereinigung „Drei Flüsse“. Diese NGO bekam schon eine ganze Reihe von nationalen und internationalen Auszeichnungen für ihren Beitrag zum Schutz der tibetischen Kultur und des Wildbestandes auf dem tibetischen Hochland. Die Tochter des verstorbenen Panchen Lama ist Ehrenvorsitzende der Vereinigung.
Die Brüder bekamen jedoch Probleme, als sie sich mit dem lokalen Polizeichef anlegten: Sie wollten ihn von der Jagd auf geschützte Wildtiere abhalten. Wegen eines Hinweises auf den Dalai Lama als Nobelpreisträger auf ihrer Website wurde der Fall zu einem ernsten politischen Verbrechen hoch gepusht. Der Polizeichef ist inzwischen befördert worden.
Der jüngste der Brüder verbüßt eine Strafe von einem Jahr und neun Monaten in einem Laogai (Lager zur Umerziehung durch Arbeit), während der älteste wegen eines Kriminaldelikts angeklagt ist und noch auf seinen Prozeß wartet.
Karma Samdup wollte den Fall seiner beiden Brüder möglichst nicht in die Öffentlichkeit geraten lassen, weil er hoffte, so eher ihre Freilassung erwirken zu können. Statt dessen wurde er nun selbst im Januar verhaftet.
Aus einer Quelle, die den Sammler seit Jahren kennt, verlautet: „Es kam völlig überraschend für ihn. Er hatte nie gedacht, daß sie Mittel und Wege finden würden, um ihn hinter Gitter zu bringen“.
Nach Auskunft von Karmas Anwalt Pu Zhiqiang sind diejenigen Personen, die sich tatsächlich des Raubs an den Altertümern schuldig gemacht hatten, längst bestraft worden. Er sagte: „Ich habe viel zu wenig an Beweismaterial gesehen, das eine kriminelle Anklage rechtfertigen würde.
Es ist mir wirklich unerklärlich, besonders weil die Sache mit dem Grabraub über ein Jahrzehnt zurückliegt. Ich habe viele Fragen zu stellen“.
Karma Samdhup, vormals ein stämmiger Mann, ist seinem Anwalt zufolge um etwa 18 kg abgemagert und befindet sich in niedergeschlagener Stimmung.
Er halte sich nur noch durch das Lesen buddhistischer Schriften aufrecht.
Seine Frau Zhenga sagte der Times: „Ich habe ihn seit seiner Festnahme nicht mehr gesehen. Verwandte dürfen ihn im Haftzentrum nicht besuchen.
Ich versuchte, ihm einige Kleidungsstücke und Geld zu schicken, aber ich bekam zur Antwort, er brauche diese Dinge nicht. Als der Rechtsanwalt Pu mir erzählte, in welcher Lage er sich befindet, war ich sehr aufgewühlt“.
Sie sagte ferner, die zwei Töchter des Ehepaars seien der Meinung gewesen, ihr Vater sei auswärts auf Geschäftsreise und waren sehr enttäuscht, als sie ihm am Kindertag nicht sahen. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, warum er verhaftet wurde, warum ein Fall, der vor zwölf Jahren abgeschlossen wurde, jetzt wieder aufgerollt wird. Er hat so viel Gutes getan, für die Kultur, für karitative Zwecke, für den Umweltschutz.
Ich glaube nicht, daß er irgend jemandem etwas zuleide getan hat“.
Mehrere Bilder von Karma Samdhup, sowie den Artikel aus The Times gibt es auf der Blog-Seite von Tsering Woeser: http://woeser.middle-way.net/ (nach unten scrollen… chin. Bildtitel kann man bei der Übersetzungsfunktion von Google eingeben)








