Sieben tibetische Dorfvorsteher im Bezirk Dzoege festgenommen

Veröffentlicht am 26. Juli 2010 in der Kategorie News

Wie ein in Dharamsala lebender Tibeter, der Kontakte zu der Gegend hat, mitteilte, nahmen die chinesischen Behörden im Bezirk Dzoege, TAP Ngaba, Provinz Sichuan, am 27. Juni sieben Tibeter fest, nachdem es unter den tibetischen Bewohnern wegen der Beeinträchtigung einer öffentlichen Straße zu einer Streitigkeit gekommen war.
Bei den festgenommenen Tibetern handelt es sich um gewählte Vertreter einiger Ortschaften in der Gegend, nämlich Choelho aus Thama Dewa, Konlho aus Kyangtsai Goeru, Atam aus Kyangtsei Kegyued, Lhago aus Chunag Drokra, Jigjhey Kyap aus Zsaru Toema, Lochey aus Zsaru Medhma, Dorjee Tsering aus Rarong. Die Verwaltungsbeamten der betreffenden Gemeinde, zu der diese Dörfer gehören, wurden ihres Amtes enthoben, ebenso wurde der für politische Angelegenheiten zuständige Abteilungsleiter bei der Bezirksverwaltung entlassen.
Der Mönch Tsering des Exilklosters Kirti sagte, einige tibetische Einwohner, die um das Kloster Tagtsang Lhamo Kirti im Bezirk Dzoege herum wohnten, hätten vor einigen Jahren durch die Erweiterung ihrer Häuser den Verkehrsfluß auf der zu dem Kloster führenden öffentlichen Straße behindert. Die Klosterverwaltung habe sich bei den Bezirksbehörden beschwert, die jedoch die Sache ignorierten und nichts unternahmen.
In letzter Zeit habe die Beeinträchtigung der Straße weiter zugenommen, weshalb die Klosterverwaltung und die Dorfchefs an die betreffenden Hausbesitzer herantraten. „Ein paar Bewohner weigerten sich hartnäckig, sich von der öffentlichen Straße zurückzuziehen, allmählich kam es zu einem Streit, einige Fensterscheiben gingen in Brüche“.
Tsering berichtete weiter, die Bezirksbehörden hätten sich den Vorfall zunutze gemacht und ihm einen politischen Anstrich gegeben. Sie beschuldigten Mönche und die Dorfvorsteher, illegale politische Versammlungen zu halten und gegen die Regierung gerichtete Aktivitäten zu planen. Die Atmosphäre ist sehr angespannt, nachdem Sicherheitskräfte aus Luchu und Dzoege zur Verstärkung angefordert wurden. Die Behörden beriefen die Bewohner der verschiedenen Ortschaften zur patriotischen Schulung ein.
Dabei wurden die Tibeter gedrängt, die Anschuldigung der politischen Agitation zu akzeptieren.
Es gibt derzeit keine Informationen über den Verbleib der festgenommenen sieben Tibeter.
Tibetan Review, http://www.tibetanreview.net, 19. Juli 2010
27 Tote bei Busunglück in Kardze-Ngaba
Wie von der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, werden 27 Personen vermißt, die wahrscheinlich umgekommen sind, und elf weitere erlitten Verletzungen, als der Bus, mit dem sie am Morgen des 18.
Juli fuhren, in einen Fluß im tibetischen Gebiet der Provinz Sichuan fiel.
Der in der Präfektur Aba (tib. Ngaba) registrierte Bus stürzte um 10.15 Uhr in den Dajin Fluß im Bezirk Rongchang (tib. Rongtrag oder Tenpa) in der Präfektur Kardze.
Der Bus, in dem 38 Passagiere saßen, war auf dem Weg vom Bezirk Maerkang (tib. Barkham) in Ngaba zur Provinzhauptstadt Chengdu. „Wegen der großen Wassertiefe an der Unglücksstelle besteht keine Hoffnung, daß die Vermißten noch lebend geborgen werden können“, meldete Xinhua. Infolge von Ausbesserungsarbeiten an der Hauptstraße hatte der Bus einen Umweg über eine Nebenstraße nehmen müssen.
Sowohl Ngaba als auch Kardze weisen eine mehrheitlich tibetische Bevölkerung auf, denn sie sind Teil des traditionellen Tibets. In dem Bericht steht nichts über die ethnische Zugehörigkeit der Opfer, noch über den Besitzer des Fahrzeugs.

Dolkar Tso, Karma Samdrups Frau, appelliert an die Regierung

Veröffentlicht am 26. Juli 2010 in der Kategorie News

HighPeaksPureEarth übersetzte ein Gesuch, das Dolkar Tso am 25. Juni 2010 an die Regierungsvertreter richtete, nachdem sie erfahren hatte, daß ihr Mann Karma Samdrup unter der Anklage des angeblichen Grabraubs und des Handels mit gestohlenen Artefakten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war.
Dieser Appell erschien auf dem Blog von Karma Samdrups Anwalt, dem bekannten Bürgerrechts-Anwalt Fu Zhiqiang, ist aber inzwischen wieder unzugänglich gemacht worden. Auf Woesers Blog ist der Appell im Original zu lesen:
An die geehrte Leserschaft:
Ich heiße Dolkar Tso und stamme aus der Stadt Jyegu in der Präfektur Yushu, Provinz Qinghai. Bislang war ich eine ganz gewöhnliche Hausfrau, eine glückliche Ehefrau und Mutter. Mein Gatte heißt Karma Samdrup und kommt aus dem Bezirk Gonjo in der Präfektur Chamdo. Seit langem widmet er all seine Kraft und Energie dem Umweltschutz und der Erhaltung unserer Kultur, und er genießt allseitig große Achtung. Wir haben zwei allerliebste kleine Töchter, sie sind lebhaft und gutherzig, derzeit gehen sie in Chengdu zur Grundschule. Aber jetzt wurde mein unschuldiger Mann unter der Anklage der „Plünderung alter Gräber“ zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Unsere zwei nichtsahnenden Töchter hoffen noch Tag und Nacht, daß ihr Vater sie anrufe.
Das kürzliche Erdbeben und viele andere unerwartete Ereignisse haben unser einfaches, doch so glückliches Familienleben nach und nach zerstört.
Wenn mein Mann wirklich das Gesetz gebrochen hätte, würde ich ganz gewiß nicht um Nachsicht für ihn bitten, da wir aber – alle seine Verwandten, Freunde und ich – Karma seit so vielen Jahren kennen, und besonders auf die drei Tage währende Gerichtsverhandlung vom 22. bis 24. Juni hin, sind wir mehr denn je von seiner Unschuld überzeugt: Karma ist kein Verbrecher.
Karma wurde in einem entlegenen Bergdorf geboren, er erhielt keine weiterführende Erziehung, aber er ist schon immer von Natur aus intelligent und freundlich gewesen. Auf der Grundlage des kleinen Handels, den er in seiner Jugend betrieb, wurde er später zu einem allseits geachteten und bekannten Geschäftsmann. Dennoch machte unsere Familie, verglichen mit jenen heutzutage begüterten Familien, einen eher bescheidenen Eindruck. Dem ist so, weil Karma all sein hart verdientes Geld in seine Aktivitäten zum Schutz der Kultur und Umwelt steckte.
Er baute außerdem Brücken, renovierte Schulen und unterstützte verwitwete ältere Personen in seinem Heimatort. Er gründete die „Umweltschutzgruppe Drei Flüsse“, die viele besondere Auszeichnungen erhielt. Er engagierte sich auch sehr für die Erhaltung kultureller Artefakte und gründete die Handelsgesellschaft „Tibet Dzi Road Cultural Communication Co. Ltd.“ Oftmals arbeitete er mit Museen auf Provinzebene zusammen und unterzeichnete sogar ein Abkommen mit dem chinesischen Forschungszentrum für Tibetologie für die Übergabe von 200 kulturell bedeutsamen Gegenständen an den Staat. Er tat stets alles für ein harmonisches Zusammenleben der verschiedenen Völker und die Harmonie von Mensch und Natur; er war immer davon überzeugt, daß der Schutz von Kultur und Umwelt höher stehe als alle Begriffe von Nationalität oder Staat. Für diese seine Haltung wurde er auch mehrfach von der Regierung ausgezeichnet.
Er hat stets die Gesetze beachtet, er liebte immer das Land und seine Familie und genoß das Vertrauen und den Respekt von Freunden diverser ethnischer Herkunft. Er schloß besonders gerne Freundschaft mit chinesischen Intellektuellen, er studierte eifrig die glänzende Han-Kultur und hegte niemals separatistische Gedanken. Seine Freunde und Verwandten sind alle davon überzeugt, daß seine Worte und Taten stets auf die Einheit der Nationalitäten gerichtet waren und daß er in der Tat das Vorbild eines gesetzestreuen Bürgers war.
Aber dieser Mensch wurde eingesperrt, um ein Geständnis aus ihm zu erpressen; er wurde in einem solchen Maße gefoltert, daß ich meinen Augen nicht traute, als ich am 22. Juni bei der Eröffnung des Gerichtsprozesses sah, wie der einst große und stämmige, sogar ein wenig rundliche Karma jetzt klein und spindeldürr war. Sein Oberkörper war gekrümmt und sein Anblick sorgte dafür, daß uns die Tränen in Strömen herunterliefen, noch ehe er überhaupt begonnen hatte, von den grausamen Folterungen, die er zu erleiden hatte, zu erzählen. Ich wußte schon in etwa, was er durchgemacht hatte, aber als wir seine Aussage hörten, wie er mittels verschiedener Methoden gezwungen wurde, ein falsches Geständnis abzulegen, wie er Tag und Nacht gequält wurde, konnten wir es droben in der Publikumsgalerie nicht mehr aushalten. Das letzte halbe Jahr hatte er ein Leben geführt, das nicht lebenswert war. Er blutete oft aus den sieben Öffnungen seines Kopfes und wurde ohnmächtig. Er bekam fast nichts zu essen, durfte nicht ausruhen, und erst im Gerichtssaal wurde uns klar, daß er auf dem linken Ohr fast taub geworden ist, daß seine Sicht verschwommen ist und sein ganzer Körper ihn schmerzt. Doch mit einer Entschlossenheit, die uns unvorstellbar ist, beharrte er darauf, nicht zu lügen, sondern ein ehrlicher Mensch zu bleiben — etwas, das seine Freunde und Verwandten zutiefst erschütterte und zugleich stolz auf ihn sein machte.
Für eine Hausfrau, die aus einer Familie wie der meinen kommt, war diese Gerichtsverhandlung ganz offensichtlich nicht fair. Der richterliche Ausschuß hörte nur auf die Worte des Strafverfolgers und schmetterte die Fragen der Verteidiger ab. Die Vorbringungen der Staatsanwaltschaft wiesen zu viele Lücken auf und das Beweismaterial, das sie vorlegte, war widersprüchlich und voller Mängel, so daß ein unbegründeter Verdacht auf Karma fiel. Aber als er und sein Verteidiger Beweise für die vorgebrachten Beschuldigungen forderten und daß Zeugen dazu gehört werden – was alles völlig legale Forderungen sind — wurde ihnen dies verweigert.
Das Urteil lautet, daß Karma 15 Jahre lang im Gefängnis sitzen muß. Das ist dermaßen ungerecht, hier fehlt jegliche Unparteilichkeit des Gerichtes. Wie Karma in seiner abschließenden Aussage feststellte: Wie kann denn ein Mensch, der Altertümer zu erhalten sucht und es jedes Mal bedauert, wenn ein Artefakt von kulturellem Wert zerstört wird, der „Zerstörung alter Gräber“ bezichtigt werden? Wie kann ein Mensch, der mit den traditionellen Bräuchen aufwuchs und dem beigebracht wurde, Respekt vor den Gräbern zu haben, etwas so Niederträchtiges tun wie „Särge und getrocknete Leichen verkaufen“ oder „alte Gräber ausrauben“? Wir verstehen wirklich nicht, warum Karma ein solch unendliches Unglück zu erdulden hat, wo wir doch eine so fortschrittliche Partei und Regierung und ein umfassendes Rechtssystem haben.
Kürzlich wurden in unserem Land neue Gesetze und Bestimmungen gegen falsche Beweise verkündet, wodurch die Rechte der Bürger gestärkt und ungerechten auf bloßem Haß beruhenden Fällen ein Ende gesetzt werden soll. Das läßt mich hoffen, daß doch noch die Beweise erbracht und die Ermittlungen gemäß dem Gesetz vorgenommen werden und daß Karma am Ende Gerechtigkeit widerfahren wird. Sein ganzes Leben lang hat er seinem Land gedient und er wird gewiß auch weiterhin alles tun, was in seinen Kräften steht, er wird nicht nach Ruhm streben, sondern seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten.
Heute ruht die schwere Last der Familie, des Geschäfts und des Prozesses gänzlich auf meinen Schultern. Unsere unschuldigen Kinder wissen noch nicht, was für ein Unheil ihren Papa ereilt hat. Neben Karma wurden auch sein älterer Bruder Rinchen Samdrup und sein jüngerer Bruder Chime Namgyal im August vergangenen Jahres festgenommen. Der ältere Bruder wurde noch nicht vor Gericht gestellt (1) und der jüngere ist am 11. Juni wegen seiner Körperbehinderung in ein Hospital unter strenger Aufsicht verlegt worden.
Ein Cousin wurde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er „Ende letzten Jahres eine Gruppe von Dorfbewohnern aufgehetzt habe, an die Behörden zu appellierten“. Und noch ein Cousin, Rinchen Dorje, wurde im Zusammenhang mit Karmas Fall von der Polizei von Ku’erle (in Xinjiang) verhaftet, und sein Verbleib ist unbekannt. Schon fünf Mitglieder unserer Familie wurden festgenommen (2), und immer, wenn ich an unser einst friedliches Leben denke, steigt unendliche Traurigkeit in mir auf.
Ich bitte die betreffenden Abteilungen, daß sie die örtlichen Vollzugsbehörden zur genauen Einhaltung der Gesetze mahnen und ich bitte vor allem darum, daß mit einem guten Menschen wie Karma menschlich umgegangen wird. Ein Fall wie dieser könnte gemäß den neu verkündeten Gesetzen auch als ein Modellfall dienen. Damit würde nicht nur einem ehrlichen Menschen, der grausame Bestrafung erdulden mußte, sein legitimes Recht auf Leben zurückgegeben, es wäre auch eine wertvolle Erfahrung, die ähnlichen Fällen in Zukunft zugute kommen könnte. Aber, und das ist am wichtigsten, es wäre eine große Ermutigung für die Menschen aller Volksgruppen, so viel wie möglich im Hinblick auf Eintracht und Harmonie unter den Nationalitäten zu tun.
Noch einmal ersuche ich die zuständigen Beamten ernstlich, diesen Fall gründlich zu überprüfen und Karma Samdrup ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Wenn sie so handeln, können sie meiner Hochachtung und Komplimente sicher sein. Tashi Delek.
Dolkar Tso, 25. Juni 2010
(1) Rinchen Samdrup wurde am 3. Juli zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2010/RinchenSamdrup_3.7.html
(2) Tashi Topgyal, das sechste Mitglied, wurde am 5. Juli festgenommen:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2010/KarmaSamdrupFamilie_9.7.html

Nepal liefert zwei tibetische Flüchtlinge an den chinesischen Grenzschutz aus

Veröffentlicht am 26. Juli 2010 in der Kategorie News

ie der Sender Voice of Tibet (VOT, Die Stimme Tibets) berichtet, hat in krasser Mißachtung des sogenannten „Gentleman’s Agreement“ mit der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen in Nepal die nepalesische Polizei zwei Tibeter im Distrikt Humla festgenommen und den chinesischen Grenzschutzsoldaten überstellt.
Um Mitternacht am Mittwoch sandte ABC News in Nepal die Nachricht über die Festnahme der zwei Tibeter und ihre Rückführung nach Tibet, berichtete Dorjee Damdul, der Leiter des Tibetan Refugee Reception Centre in Kathmandu, dem Sender Voice of Tibet.
Dorjee kontaktierte sofort das Büro des UN Flüchtlingshochkommissariats in Kathmandu, das die Auslieferung der Flüchtlinge nach Rücksprache mit dem Fernsehkanal bestätigte. Über die Identität der zwei Tibeter ist nichts bekannt.
Hunderte von Tibetern riskierten bisher alljährlich ihr Leben, indem sie die gefährliche Flucht über die gebirgige Grenze nach Nepal antraten. Nepal, in dem es keine Asylgesetzgebung gibt, hat in letzter Zeit die Überwachung an seinen Grenzen zu Tibet dermaßen verschärft, daß es Tibetern kaum mehr möglich ist, aus ihrem besetzten Land zu entkommen.
Um International Campaign for Tibet (ICT) zu zitieren: “Die massive Einflußnahme Pekings auf die nepalesische Regierung, die Grenzschutztruppen, das Justizsystem und die ablehnende Haltung der Zivilgesellschaft in einer Phase politischer Unsicherheit in Nepal, bedeuten für die Tibeter, daß ihr Schutz immer dürftiger wird und damit die Gefahr der Festnahme und Rückschiebung immer größer, was sie zunehmend demoralisiert“.
Schätzungen zufolge flohen in der Vergangenheit jährlich 2.500 bis 3.000 Tibeter aus ihrem Land. Nepal diente ihnen als Transitland auf dem Weg nach Dharamsala. Diese Zahl ist seit 2008 drastisch gesunken, nachdem Nepal auf den Druck Chinas hin die Sicherheitsmaßnahmen entlang der Grenze verstärkte.
In den letzten Monaten gab es mehrfach Festnahmen von tibetischen Flüchtlingen in diversen Grenzdistrikten Nepals, aber sie wurden nach einigen Tagen im Polizeigewahrsam letzten Endes doch der UN-Flüchtlingsagentur übergeben.
Department of Information & International Relations (DIIR), www.tibet.net 15. Mai 2010
Tibeter suchen immer noch nach ihren bei den Demonstrationen 2008 verhafteten Angehörigen
Die tibetische Zentralverwaltung in Dharamsala erfuhr weitere Einzelheiten über die Ereignisse, die auf die friedliche Protestkundgebung der Mönche des Klosters Sera in Lhasa am 11. März 2008 und das brutale Eingreifen der chinesischen Regierung folgten (1).
Als eine Gruppe tibetischer Mönche am 10. März 2008 einen friedlichen Protestmarsch veranstaltete, schlossen sich ihnen die Mönche des Klosters Sera trotz der repressiven Maßnahmen der bewaffneten Polizei und des Klosterverwaltungsrates an. Als die tibetischen Bewohner um das Kloster herum davon hörten, daß die Mönche von der Polizei geschlagen wurden, beteiltigten sie sich sogleich an der Protestaktion.
Der 21jährige Gyaltsen, der aus dem Kreis Nyemo gebürtig ist und in Lhasa als Schneider arbeitete, sowie einige tibetische Jugendliche wurden am 11. März
2008 festgenommen und mißhandelt. Heute, nach zwei Jahren, ist ihr Aufenthaltsort immer noch unbekannt. Trotz intensiver Suche konnten ihre Verwandten sie nicht ausfindig machen.
Am 11. März 2008 durchsuchten Sondereinheiten der bewaffneten Polizei und Polizisten des PSB über 100 Privathaushalte, weil sie deren Mitglieder der Beteiligung an der Protestkundgebung vom 10. März verdächtigten. Etliche Tibeter wurden festgenommen und schwer geschlagen. Einer von ihnen wurdeinzwischen freigelassen, aber das Schicksal der übrigen Festgenommenen ist immer noch unbekannt.
Die Namen dieser Festgenommenen sind folgende: Tenzin, Tasang, Khyikyag, Wangdue, Phurbu, Namsey, Migmar, Pema; Kelsang, Tenzin, Dawa Tsering, Lhagwang Wangdue, Pasang, Khando, Norbu, Pasang Tsering, Pasang, Dorjee Tsering, Namgang, Nyima Tsering, Tashi Dorjee, Phurbu Ngodup, Lhakpa, Penpa, Dachoe, Phurbu und Tsering Lasang.
Außerdem erreichte ein Photo des 20jährigen Kunga (2), der am 24. März 2008 von den chinesischen Sicherheitskräften erschossen wurde, das Ausland. Es läßt ahnen, wie entsetzlich die in Tibet herrschende Repression ist.
Kunga war ein Mönch des Klosters Chogri im Bezirk Drango in der TAP Kardze.
Als er während einer friedlichen Protestaktion in Drango am 24. März 2008 zusammen mit anderen Mönchen den verwundeten Tibetern helfen wollte, geriet er selbst in den Kugelhagel und verlor sein Leben (3).
(1) 11. März 2008, „Dutzende von Tibetern wegen friedlicher Proteste in Lhasa festgenommen“, http://
www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/ProtestLhasa10March.html
(2) Bild des erschossenen Kunga unter http://www.tibet.net/en/index.php#
(3) 26. März 2009, „Bezirk Drango: Proteste nach Gebeten für Verstorbenen“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2008/Drango-Kardze_27.Mrz.html

Prominenter tibetischer Umweltaktivist und Philanthrop vor Gericht gestellt

Veröffentlicht am 24. Juni 2010 in der Kategorie News

Einem bekannten tibetischen Geschäftsmann, der sich ganz dem Schutz der Umwelt verschrieben hat, wird in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang im Zusammenhang mit einem 12 Jahre zurückliegenden Fall der Prozeß gemacht, obwohl die Anklage gegen ihn bereits 1998 fallen gelassen wurde. *
Der tibetische Umweltaktivist und Sammler von Kunstgegenständen Karma Samdrup wurde am Dienstag wegen des Delikts des Grabraubs vor ein Gericht im Bezirk Yanqi, Autonome Uighurische Region Xinjiang (XUAR), gestellt.
Dolkar Tso, seine Frau, berichtete, die Gerichtsverhandlung am Dienstag habe von 10 Uhr früh bis halb elf Uhr abends mit einer kurzen Essenspause gedauert. Ihr Mann schien unter dem Einfluß von Pharmaka zu stehen, des Schlafs beraubt und gefoltert worden zu sein. „Man ließ mich zwar in den Gerichtssaal, aber ich durfte nicht mit meinem Mann sprechen“, sagte sie.
„Als ich ihn sah, erkannte ich ihn kaum wieder, er war so abgemagert.
Früher war er ein großer, kräftiger Mann, aber jetzt schaute er so eingefallen und schwach aus.“
„Als Karma sagte, er sei unschuldig, fingen viele Leute im Saal zu weinen an. Nicht einmal die Dolmetscher konnten die Tränen zurückhalten“, sagte sie und fügte hinzu, die Verhandlung würde am Mittwoch fortgesetzt werden. „Es war erschütternd für mich, meinen Mann nach sechs Monaten in einem solchen Zustand wiederzusehen“.
Davor sei ihr die Erlaubnis, ihn in der Haftanstalt zu besuchen, verweigert worden. „Ich fuhr fünf Mal nach Xinjiang und versuchte ihm etwas Geld und andere Dinge zukommen zu lassen, aber ich durfte ihn kein einziges Mal sehen“.
Karma Samdrups Anwalt Pu Zhiqiang konnte ihn zweimal für kurze Zeit treffen, aber stets in Anwesenheit mehrerer Offizieller. Er bestätigte, daß Karma Samdrup einen unterernährten, abgemagerten und schwachen Eindruck machte, er sei unrasiert und habe sich die Haare wachsen lassen.
Pu fügte hinzu, Karma Samdrup sei bereits 1998 und dieses Jahr wieder gefoltert worden. „Das Public Security Bureau der Präfektur Bazhou folterte ihn und versuchte ein Geständnis aus ihm zu erpressen. Von den 90 kg, die er vorher wog, verlor er 20 kg im Gefängnis, außerdem schuldet er der Haftanstalt und anderen Insassen 660.000 Yuan für Essen und Wasser“, sagte der Anwalt in einem Interview.
„Wir haben die Fakten und die Gesetze, und ich bin überzeugt, daß Karma unschuldig ist. Außerdem wurden die meisten Anklagepunkte der Strafverfolger nicht gleich von dem Gericht zugelassen. Die Richter sagten, sie würden nach genauer Durchsicht der Anklageschrift eine Entscheidung treffen. Aber diese Prüfung wird ja von höheren Stellen vorgenommen, und wir wissen nicht, was diese beschließen werden.“
„Es gibt deutliche Anzeichen von Folterung und durch Folter erzwungene Geständnisse“, fuhr Pu fort. Ebenso sei ein offensichtlich gefälschtes Geständnis im Spiel. „Ich forderte eine unabhängige Verhandlung, aber ich bekam zu hören, mein Ansuchen sei nicht zweckdienlich. Wir Verteidiger wurden unter immensen Druck gesetzt, und ständig wird uns dreingeredet“.
Am 30. Mai 2010 hatten das Oberste Volksgericht Chinas, die Oberste Volksprokuratur, das Ministerium für Öffentliche Sicherheit, das Ministerium für Staatssicherheit und das Justizministerium eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der sie ein Verbot der Verwendung von durch Folter gewonnenen Aussagen ankündigten. Während einige juristische Fachleute diese neue Rechtsvorschrift willkommen hießen, fragten andere, wie die Zentralregierung sie denn auf lokaler Ebene durchsetzen wolle.
Dolkar Tso sagte, sie könne einfach nicht verstehen, warum ihr Mann, ein so engagierter Umweltschützer, nun von den Behörden strafrechtlich verfolgt würde. „Er baute Brücken und versuchte die Umwelt zu erhalten, einschließlich heiliger buddhistischer Stätten“. „In Lhasa wurde er sogar einmal mit einem Preis ausgezeichnet“.
[Chinas staatliches Fernsehen Central Television erkor den stämmigen Zweiundvierzigjährigen 2006 sogar zum „Menschenfreund des Jahres“, weil er durch seinen Einsatz für die Umwelt in den tibetischen Gebieten „die Harmonie zwischen Mensch und Natur“ gefördert habe. Im selben Jahr feierte die bekannteste Wochenzeitung Chinas, Southern Weekend, ihn wegen seiner riesigen Sammlung von Amulettperlen als den „tibetischen Perlenkönig“.]
Im Januar war Karma Samdrup aus seinem Haus in der Provinz Sichuan abgeführt und nach Xinjiang verbracht worden auf Grund einer Anklageerhebung, die einen Fall von 1998 betrifft. Die Anklage war aber damals von dem Obersten Gerichtshof von Xinjiang für nichtig erklärt worden.
„Ich bin so verwirrt. Ich weiß nicht, warum er verhaftet wurde“, sagte Dolkar Tso. „Ich habe keine Ahnung, warum er nach Xinjiang gebracht wurde. Was sollte der Grund sein, einen alten Fall wieder aufzurollen, der so viele Jahre zurückliegt und in dem er für unschuldig befunden wurde.“
Karma Samdrups Anwalt Pu meinte, der Fall sei wahrscheinlich keine einfache Strafsache. „Ich glaube, da sind einige außergerichtliche Faktoren im Spiel, die aber einen ziemlich starken Einfluß ausüben“, sagte er. „Daher wage ich nicht optimistisch hinsichtlich des Ausgangs dieses Falles zu sein“. „Wenn ich mir die Fakten so anschaue und anhand meines Verständnisses der Gesetze stellen Karma Samdrups Handlungen kein Verbrechen dar“, fügte er hinzu.
Pu fuhr fort, die Anklagen gegen Karma Samdrup bezögen sich auf einen Fall von 1998, als er als Kunstsammler einige kulturell bedeutsame Artefakte erwarb, von denen sich später herausstellte, daß sie von Grabräubern gestohlen worden waren. Mehrere Männer wurden im Zusammenhang mit dem Grabraub von dem Höheren Volksgericht des Bezirks Yanqi schuldig gesprochen, die Anklage gegen Karma Samdrup jedoch eingestellt.
Karma Samdrup gehört einer angesehenen tibetischen Familie an, einige deren Mitglieder bereits mit den chinesischen Behörden in Konflikt gerieten. Sein älterer Bruder Rinchen Samdrup wurde im August 2009 festgenommen und der „Spaltung des Mutterlandes“ angeklagt. Er sollte am 24. Juni vor Gericht gestellt werden, aber die Verhandlung wurde aus nicht genannten Gründen verschoben. Der jüngere Bruder Jigme Namgyal verbüßt wegen „Schädigung der nationalen Sicherheit“ eine Strafe von 21 Monaten in einem Lager zur „Umerziehung durch Arbeit“.
Dolkar Tso berichtete: “Letztes Jahr, noch vor seiner Festnahme, besuchte Karma seine zwei inhaftierten Brüder. Er sagte, sie seien übel mißhandelt worden, besonders sein kleinerer Bruder, von dem er den Eindruck habe, daß er nicht mehr lange leben werde“.
Zum Zeitpunkt seiner Festnahme war Karma Samdrup gerade dabei, ein Museum für tibetische Kultur einzurichten. Einigen Tibetern zufolge ist Karma im Besitz der größten Privatsammlung tibetischer Kunst und Kunstgegenstände auf der ganzen Welt.
Der Gerichtshof in Yanji hat noch kein Datum für die Bekanntgabe des Urteils gegen Karma Samdrup genannt.
* Siehe: 1. Juni 2010 „Prozeß gegen bekannten tibetischen Umweltaktivisten und Antiquitätensammler“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/tjc/KarmaSamdup_1.6.html
Students for a Free Tibet haben eine Eilaktion auf ihrer Website eingerichtet, eine Petition an den chinesischen Justizminister und den Parteisekretär von Xinjiang. Wir bitten alle Leser, diese Petition umgehend zu unterschreiben: http://actionnetwork.org/campaign/karmasamdrup/w7i6dbk91jb6kxw8

Prekäre Lage der Tibeter in Nepal - Flüchtlingen droht Gefahr der Auslieferung an China

Veröffentlicht am 24. Juni 2010 in der Kategorie News

International Campaign for Tibet (ICT) gab zum Weltflüchtlingstag am 20.
Juni zwei Berichte über die stetig wachsenden Schwierigkeiten der in Nepal lebenden Tibeter, sowie der neu eintreffenden Flüchtlinge heraus.
Unter dem starken Druck Chinas treibt die Regierung sie immer mehr in die Enge und versucht die Flüchtlinge zurückzuschieben.
Eine Gruppe tibetischer Flüchtlinge wäre vorletzte Woche beinahe nach Tibet zurückgebracht worden. Dem neuen Bericht von ICT, Washington, vom 18. Juni zufolge zwang die nepalesische Polizei die Tibeter, zur Grenze zurückzumarschieren. Den Flüchtlingen, darunter zwei Kindern, gelang es im letzten Augenblick zu entkommen, aber sie mußten sich dann mehrere Tage lang im Wald versteckt halten, weil chinesische Grenzschutzkräfte auf der nepalesischen Seite der Grenze nach ihnen fahndeten. Als sie schließlich das Auffanglager für tibetische Flüchtlinge in Kathmandu erreichten, waren sie völlig erschöpft und ausgehungert, und die Kinder bedurften dringender medizinischer Versorgung. Eine andere Gruppe entging im Januar mit knapper Not der Auslieferung an die chinesischen Behörden.
Ihre dramatische Flucht wird ausführlich in dem Bericht von ICT beschrieben.
Die Berichte „A Fragile Welcome: China’s Influence on Nepal and its Impact on Tibetans“ (Unwirsches Willkommen: Wie sich Chinas Einflußnahme auf Nepal auf die Tibeter auswirkt)* und „Dangerous Crossing: Conditions Impacting the Flight of Tibetan Refugees“ (Gefährliche Flucht: Widrige Umstände erschweren Tibetern die Flucht)** dokumentieren die zunehmenden Gefahren, denen sich die Tibeter in Nepal (sowohl diejenigen im Transit nach Indien, als auch die seit langem in Nepal ansässigen) angesichts des unsicheren politischen Klimas und der scharfen Sicherheitsmaßnahmen in Tibet auf die Proteste von 2008 hin gegenübersehen.
„Die miserable Menschenrechtslage in Tibet veranlaßt weiterhin jedes Jahr Hunderte von Tibetern aus ihrem Land zu fliehen. Die chinesischen Strategien zur Vereitlung der Flucht und der Empfang der Flüchtlinge in Nepal sind immer aggressiver geworden“, heißt es in dem Bericht. „Der härtere Umgang der nepalesischen Behörden und Polizisten mit den Flüchtlingen, die sie mit der Abschiebung bedrohen, läuft dem eingebürgerten Procedere, das den aus Tibet Fliehenden eine sichere Durchreise durch Nepal garantiert, entgegen“.
Nepal hat zwar keine Asylgesetzgebung, aber erlaubte bisher auf der Basis des sogenannten „Gentleman’s Agreement“ mit dem UNHCR
(UN-Flüchtlingshochkommissariat) den Tibetern die sichere Weiterreise nach Indien. Nepal scheint nun diese Abmachung immer mehr zu untergraben.
Obwohl Nepal die internationalen Flüchtlingskonventionen nicht unterschrieb, stellt die zwangsweise Rückführung von Flüchtlingen an einen Ort, wo ihr Leben und ihre Freiheit gefährdet sind, eine grobe Verletzung wichtiger Grundsätze des Völkerrechts dar.
„Die energische Art der Einflußnahme Pekings auf die nepalesische Regierung, die Grenzschutzpolizei, das Justizsystem und sogar die Zivilgesellschaft zu einer Zeit politischen Umbruchs bedeutet, daß die Tibeter in Nepal immer verletzlicher werden, sich mutlos und zermürbt fühlen und in ständiger Gefahr von Festnahme und Rückführung in ihre besetzte Heimat schweben.“
Die Tibeter in Nepal leben in einer Atmosphäre der Angst, denn die Polizei greift vor wichtigen Jahrestagen, besonders um den 10. März, zu präventiven Festnahmen, sie kontrolliert ihre Ausweise und durchsucht Privatwohnungen und Gästehäuser. Dieses Jahr marschierte an diesem Tag die bewaffnete Polizei in großer Zahl vor tibetischen Klöstern und Schulen auf. Im Vorfeld zu dem 10. März, dem Tag des tibetischen Volksaufstands von 1959, drohte ein hochrangiger nepalesischer Beamter, die Polizei würde mit scharfer Munition auf Tibeter schießen, falls sie vor dem chinesischen Konsulat demonstrierten.
„Es herrscht große Besorgnis wegen der Dreistigkeit chinesischer Sicherheitskräfte, die sogar auf nepalesisches Territorium eindringen“.
Dem Bericht zufolge wurde chinesische Polizei auf der nepalesischen Seite der Grenze gesichtet, und nach Aussage von Augenzeugen kommt es immer wieder vor, daß chinesische Sicherheitskräfte in Zivil Tibeter in Nepal drangsalieren.
Während die Tibeter in Nepal im Hinblick auf die jahrhundertealten kulturellen, religiösen und kommerziellen Bande eigentlich als eine legitime Gemeinschaft angesehen werden sollten, weigert sich die Regierung die nach 1989 nach Nepal gekommenen Tibeter zu registrieren.
Die Regierung erlaubt nur Tibetern, die vor dem 31. Dezember 1989 um Asyl nachsuchten und ihren Nachkommen, in Nepal zu bleiben. Sie haben ein Anrecht audie Ausstellung eines Flüchtlingszertifikats (Refugee Certificate = RC), auf dessen Basis sie mit gewissen eingeschränkten bürgerlichen Rechten in Nepal existieren können. Leider wird die Ausstellung diese Zertifikate nicht ordnungsgemäß gehandhabt, und Tausende von Tibetern, die dafür in Frage kämen, warten seit Jahren auf ihre Ausweise und sind daher ohne gesetzlichen Status. Tibetische Flüchtlinge, die nach 1989 nach Nepal kamen, bekommen keine Papiere, um sich auszuweisen, sie leben daher, ebenso wie die nach 1989 geborenen, „illegal“ in dem Land und haben kein Recht auf Arbeit oder auf Reisen.

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